Liebfrauenkloster

Eine kleine Oase mitten in Frankfurt – das Kapuzinerkloster und sein stiller Innenhof

Manchmal braucht man in Frankfurt einfach einen Moment der Ruhe. Zwischen dem ewigen Hupen an der Hauptwache, dem Stimmengewirr auf der Zeil und dem rhythmischen Klackern der Rollkoffer am Bahnhof ist es leicht, das Gefühl zu bekommen, dass die Stadt nie wirklich innehält. Doch es gibt sie, diese stillen Orte, an denen man tief durchatmen kann. Einer meiner liebsten ist das Kapuzinerkloster in der Innenstadt – ein Ort, den man fast übersehen könnte, wenn man nicht gezielt danach sucht.

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Besuch dort. Es war ein warmer Sommertag, die Sonne brannte auf das Pflaster, und ich hatte gerade eine Führung durch die Altstadt beendet. Ein älterer Herr aus meiner Gruppe meinte zu mir: „Wenn Sie mal fünf Minuten Stille brauchen, gehen Sie zu den Kapuzinern. Da hört man sogar die eigenen Gedanken wieder.“
Neugierig geworden, folgte ich seinem Rat – und stand kurze Zeit später in einem kleinen Innenhof, der so still war, dass man fast glaubte, Frankfurt hätte aufgehört zu atmen.

Der Innenhof ist von alten Mauern umgeben, die ein bisschen so aussehen, als hätten sie alles schon gesehen: Kriege, Wiederaufbau, Wandel. Es gibt Bänke und einige schattige Bereiche, in denen man sich zurücklehnen kann, um einfach zu beobachten: die sanften Lichtspiele zwischen den Bäumen, das leise Rascheln der Blätter im Wind, das manchmal entfernte Murmeln der Stadt, das hier wie hinter einem weichen Vorhang klingt. Kein Prunk, kein Pomp – nur Schlichtheit und Frieden. Und genau das macht den Ort so besonders.

Das Kapuzinerkloster Liebfrauen hat eine lange und bewegte Geschichte. Die Kapuzinerbrüder kamen bereits im 16. Jahrhundert nach Frankfurt und engagierten sich seit jeher nicht nur im geistlichen Leben, sondern auch für die Menschen in der Stadt – besonders für jene, die am Rand der Gesellschaft stehen. Nach einer längeren Unterbrechung kehrten sie 1900 nach Frankfurt zurück und übernahmen 1923 das Liebfrauenkloster in der Innenstadt. Bis heute sind sie dort in der Seelsorge tätig und engagieren sich in sozialen Projekten – etwa im Franziskustreff, einer Anlaufstelle für Bedürftige wie Obddachlose, die auf ein offenes Ohr, ein warmes Frühstück und menschliche Nähe zählen können.

Was ich an diesem Ort so mag, ist seine unaufgeregte Freundlichkeit. Man wird nicht mit großen Gesten empfangen, sondern mit einem Nicken, einem Lächeln, vielleicht einem stillen „Grüß Gott“. Und plötzlich spürt man: Hier darf man einfach sein.

Wer also das nächste Mal in der Frankfurter Innenstadt unterwegs ist, sollte sich ein paar Minuten für diesen besonderen Ort gönnen. Setz dich auf eine der Bänke, schließ die Augen, und lausche der stillen Atmosphäre. Genieße den Kontrast zur turbulenten Innenstadt. Es ist, als würde Frankfurt für einen Moment innehaltend lächeln.

Euer Dimitri
Stadtführer in Frankfurt