Archiv der Kategorie: Frankfurts Bauwerke

Wenn Frankfurt klingt – Das Stadtgeläut

Es gibt Momente in Frankfurt am Main, da steht die Stadt für einen Augenblick still. Kein Autolärm, kein Stimmengewirr, nur Klang. Tief, warm, ehrwürdig. Dann weiß man: Es ist wieder Zeit für das Große Stadtgeläut Frankfurt – eines der beeindruckendsten Klangereignisse, die eine deutsche Stadt zu bieten hat.

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Mal: Ein frostiger Adventssamstag, der Römerberg voll Menschen, Glühweinduft in der Luft – und plötzlich beginnt der Himmel zu schwingen. Erst ein einzelner Ton, dann viele. Glocken antworten sich über die Dächer hinweg, und der Klang legt sich wie eine Decke über die Innenstadt Frankfurts. Ich stand einfach da und lauschte – und war verloren in diesem Moment.

Eine Komposition aus Bronze

Dass in Frankfurt alle Glocken gemeinsam läuten, ist schon seit 1347 belegt. Im Mai 1856 beschloss der Senat der Freien Stadt Frankfurt, zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten ein gemeinsames Geläut der Innenstadtkirchen zu veranstalten. Es war ein Symbol des Zusammenhalts – und ist es bis heute geblieben.

Doch das, was wir heute alsGroßes Stadtgeläut kennen, wurde erst 1954 in seiner heutigen Form geschaffen. Da nach dem Zweiten Weltkrieg viele Kirchen und deren Glocken zerstört waren, musste die Stadt Frankfurt, die seit der Säkularisation von 1802 Eigentümerin der Innenstadtkirchen war, viele zerstörte Gotteshäuser wieder aufzubauen und zahlreiche neue Glocken gießen lassen.

Um die Geläute der Innenstadtkirchen klanglich aufeinander abzustimmen, beauftragte die Stadt Frankfurt den Mainzer Glocken- und Orgelsachverständigen Prof. Paul Smets. Sein Konzept schuf ein harmonisches Gesamtwerk, das in Fachkreisen bis heute als einzigartig gilt – auch im internationalen Vergleich: 50 Glocken mit einem Gesamtgewicht von 64.804 Kilogramm, jede mit eigenem Charakter, doch perfekt aufeinander abgestimmt.

Der Ablauf des Großen Stadtgeläuts

Das Stadtgeläut folgt einer festen Choreographie – fast wie ein musikalischer Spaziergang durch die Stadt:

  • In der Paulskirche eröfnet die Bürgerglocke das Geläut, gefolgt von ihren fünf kleineren Schwestern.
  • Dann bringen die vier Glocken der Katharinenkirche an der Hauptwache helle, klare Töne ins Spiel.
  • Die fünf Glocken der Liebfrauenkirche fügen weiche, harmonische Klänge hinzu.
  • Peterskirche (vier Glocken) und Dominikanerkloster (drei Glocken) schließen sich nördlich an.
  • Leonhardskirche (sechs Glocken) und Karmeliterkloster (vier Glocken) bringen Tiefe und Fülle.
  • Vier Glocken der Alte Nikolaikirche am Römerberg runden das Stadtzentrum ab.
  • Die Dreikönigskirche auf der Sachsenhäuser Seite über dem Main bringt mit fünf Glocken den südlichen Kontrapunkt.
  • Den Höhepunkt bildet der Kaiserdom St. Bartholomäus mit seinen neun Glocken – allen voran die mächtige Gloriosa, über 2,5 Meter hoch und breit, und mit fast 12 Tonnen die schwerste Glocke Frankfurts.

Wenn sie alle gemeinsam erklingen, entsteht ein Klangbild, das nicht nur durch die Gassen, sondern tief ins Herz dringt.

Termine – Wann Frankfurt klingt

Das Große Stadtgeläut findet viermal im Jahr statt und orientiert sich an den kirchlichen Hochfesten:

  • Samstag vor dem 1. Advent (16:30–17:00 Uhr)
  • Heiligabend (17:00–17:30 Uhr)
  • Karsamstag (16:30–17:00 Uhr)
  • Samstag vor Pfingsten (16:30–17:00 Uhr)

Wer das Stadtgeläut erleben will, sollte früh da sein. Der Römerberg, der Paulsplatz oder der Bereich rund um den Domplatz bieten die beste Akustik. Und mein Tipp: Handy aus, Augen zu, Ohren auf – der Klang erzählt selbst genug.

Mein Geheimtipp für Besucher

Ich empfehle jedem Gast meiner Stadtführungen durch Frankfurt, das Große Stadtgeläut einmal von der Alten Brücke aus zu hören. Der Blick auf die Skyline, das Spiegelbild des Doms im Main, und darüber die Klangwellen der Glocken – das ist Frankfurt pur. Zwischen Himmel und Hochhaus, Geschichte und Gegenwart.

Wer sich für Frankfurt Sehenswürdigkeiten interessiert, sollte sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen. Denn das Stadtgeläut ist keine bloße Tradition – es ist ein Stück Seele dieser Stadt.

Euer Dimitri
Stadtführer in Frankfurt

Ein Abstecher in die Saalgasse

Frankfurts vergessener Nachbar der Neuen Altstadt

„Hier geht’s doch gar nicht in die Neue Altstadt!“ – Diesen Satz höre ich bei meinen Führungen regelmäßig, wenn ich nach dem Historischen Museum und der Alten Nikolaikirche nicht geradeaus, sondern rechts in die Saalgasse abbiege. Und jedes Mal muss ich ein bisschen schmunzeln. Denn ja, streng genommen führt der Weg nicht in die Neue Altstadt, aber er führt zu einem wesentlich älteren, aber nicht weniger spannenden und zugleich meist übersehenen Projekt – der Saalgasse.

Nach dem Krieg war Frankfurt eine Stadt der Baustellen und Brüche. Wer sich alte Fotos anschaut, erkennt kaum noch das mittelalterliche Gassengewirr, das einst den Römerberg umgab. Zwischen Schutt und Neubeginn entschied man sich in den 1950ern und 60ern für den funktionalen Wiederaufbau – Hauptsache, die Menschen hatten wieder ein Dach über dem Kopf. An den Charme der alten Altstadt wagte man sich erst Jahrzehnte später wieder heran.

Erst Ende der 1970er Jahre kam Bewegung in die Sache. Der große Parkplatz am Römerberg, der viele Jahre lang einfach nur eine graue Fläche mitten im Herzen der Stadt war, sollte verschwinden. Ein Architekturwettbewerb wurde ausgeschrieben, bei dem sich Architekt:innen mit ihrem Konzept zur Rekonstruktion der Fachwerk-Häuserzeile am östlichen Römerberg bewerben konnten: Wer kann den Geist der alten Fachwerkzeile am besten wiederbeleben?

Die Stadt bekam so viele gute Entwürfe, dass sie kurzerhand beschloss, auch die Saalgasse als Experimentierfeld freizugeben. Zwölf Architektinnen und Architekten erhielten den Auftrag, hier 14 Häuser zu entwerfen – jedes auf einer winzigen Parzelle von nur rund 7,5 Metern Breite, 10 Metern Tiefe und vier Stockwerken Höhe. Die Vorgabe: Altstadtdimensionen, aber mit moderner Sprache. Das Ergebnis: eine postmoderne Wundertüte aus Farben, Formen und Ideen, die bis heute erstaunt und begeistert.

Und so gleicht kein Haus in der Saalgasse dem anderen.

Heinrici & Geiger – (Saalgasse 28) Die beiden waren schon für den „Schwarzen Stern“ zuständig, das historische Eckgebäude, das viele nur vom Vorbeigehen kennen. Kein Wunder also, dass sie auch die angrenzenden Eckhäuser gestalteten. Ihre Häuser wirken vertraut und gleichzeitig selbstbewusst, ein eleganter Übergang von Alt zu Neu.

Fischer, Glaser & Kretschmer – (Saalgasse 26) Hier begegnet einem ein wahres Farb- und Materialfeuerwerk. Asymmetrische Erker brechen die sonst sehr gleichförmige Rasterfassade auf und verleihen dem Haus Lebendigkeit. Ich erzähle meinen Gästen gern, dass man hier fast das Gefühl hat, das Gebäude „atmet“.

Jourdan, Müller & Albrecht – (Saalgasse 24) Die Form ist klar, schlicht und funktional, fast schon minimalistischer Natur. Die dekorlosen Wandflächen und die geradlinige Anordnung erinnern an neue Sachlichkeit, Art Déco und Expressionismus – ein ruhiger Gegenpol zu den farbenfrohen Nachbarn.

Adolfo Natalini – (Saalgasse 22) An der östlichen Ecke steht ein Wohnhaus mit einer monumentalen Tonnensäule. Sie markiert nicht nur die Sonderstellung des Eckhauses, sondern signalisiert den Übergang zur Schirn – fast wie ein stiller Türsteher zwischen zwei städtischen Welten.

Charles Moore – (Saalgasse 18) Wer genauer hinsieht, entdeckt in den Sprossenfenstern feine Jugendstil-Anklänge. Moore ging bewusst eigene Wege, auch wenn die städtebaulichen Vorgaben streng gewesen wären – das Haus wirkt dadurch verspielt, fast wie ein kleines Kunstwerk zwischen den strengeren Nachbarn.

Berghof, Landes & Rang – (Hausnummer 16) Dieses Haus ist ein echter Augenschmaus: Eine Allegorie eines kopfüber stehenden Fachwerkhauses, verziert mit sternenförmigen Öffnungen. Es strahlt eine verspielte Leichtigkeit aus, die in der sonst kompakten Gasse sofort ins Auge fällt.

Unglaub & Horvath – (Saalgasse 14) Glatt abgeschnittener Giebel, breiter Eingang im Erdgeschoss – eine subtile Hommage an die Altstadtbauten, die hier im Krieg zerstört wurden. Man spürt die Geschichte, ohne dass sie einem ins Gesicht springt.

Eisele & Fritz – (Saalgasse 12) Die Fachwerkskonstruktionen der Vergangenheit werden hier in modernen Materialien interpretiert: Viergeschossiger Wintergarten, ein filigraner Stahlmast als Giebel – eine clevere Paraphrase der alten Bauten, die gleichzeitig erstaunlich modern wirkt.

Christoph Mäckler – (Saalgasse 10) Eine torartige Eingangssituation und große Schaufenster laden den Passanten ein, hineinzuschauen. So wird die Ladenzone des Erdgeschosses bewusst in Szene gesetzt – eine Reminiszenz an die früheren Scharnhäuser.

Von Gerkan, Marg & Partner – (Saalgasse 8) Ihr Haus ist bewusst zurückhaltend gestaltet. Die reduzierte Materialwahl und ausgewogene Farbgebung erzeugen eine ruhige, harmonische Wirkung – ein optisches Durchatmen mitten in der lebhaften Gasse.

Herms – (Saalgasse 6) Hier trifft Gotik auf italienischen Manierismus und barocke Kirchenarchitektur. Das Haus wirkt wie ein Sammelsurium unterschiedlichster Stilreferenzen, und gerade das macht seinen Charme aus.

Bangert, Jansen, Scholz & Schultes – (Römerberg 8-10) Das dreiteilige Eckhaus bildet den Abschluss der Saalgasse. Größe, Maßstab und Farbigkeit spielen auf den Kopfbau des langen Galerietrakts der Schirn an – ein eleganter Schlusspunkt, der die Gasse nach außen abrundet.

Wer die Saalgasse entlangspaziert, entdeckt ein Stück Frankfurt, das sich seiner selbst bewusst ist: nicht nostalgisch, aber auch nicht kaltmodern. Sie ist ein architektonisches Gespräch zwischen Vergangenheit und Zukunft – und genau deshalb liebe ich es, meine Gäste hierher zu führen.

Wenn man dann am Ende wieder Richtung Mainufer blickt, wo sich die 60er-Jahre-Bauten mit ihren klaren Linien aneinanderreihen, merkt man, wie klug diese Gasse eigentlich gedacht war: Sie verbindet Epochen, Stile und Ideen – auf wenigen Metern.

Und jedes Mal, wenn jemand am Ende sagt: „Jetzt verstehe ich, warum Sie hier abbiegen, Dimitri“, weiß ich, dass es sich gelohnt hat.

Euer Dimitri
Stadtführer in Frankfurt

Der Eiserne Steg – Frankfurts eiserne Verbindung mit griechischem Flair

Wenn man durch Frankfurt spaziert, bleibt der Eiserne Steg sofort im Blick – und oft auch im Herzen. Er ist nicht die größte oder älteste Brücke der Stadt, aber er erzählt eine Geschichte, die man sonst nur in alten Chroniken findet: von Bürgerengagement, Main-Leben und einem kleinen Stück Griechenland mitten in der Stadt.

Der Bau der Brücke 1868 war allerdings alles andere als einfach. Die Idee, eine feste Verbindung von Sachsenhausen in die Altstadt zu schaffen, stieß in den Jahrhunderten davor auf Skepsis. Frankfurt war damals noch eine freie Stadt im Deutschen Bund – ein Kaiser hatte hier kein Mitspracherecht. Zuständig war das Stadtparlament und der Magistrat, und die zögerten lange.

Überliefert ist, dass erste Argumente, Obst und Gemüse aus Sachsenhausen über die Brücke transportieren zu können, auf taube Ohren stießen. Erst das „schwere Argument“ Bier soll schließlich überzeugt haben: Wer den Hopfen- und Malztransport erwähnte, bekam die Genehmigung. Ob das wirklich so war, lässt sich nicht belegen – aber es gehört zu den charmanten Geschichten, die sich um den Steg ranken.

Mit Genehmigung in der Tasche gründeten die Bürger eine Stiftung, investierten eigenes Geld und bauten die eiserne Brücke (ca. 170 m lang – andere Fakten über Frankfurt), stabil und funktional, ganz ohne Prunk. Um die Baukosten zu decken, wurde zunächst ein Brückenzoll erhoben. Schon nach 18 Jahren war die Investition refinanziert – und die Frankfurter schenkten die Brücke der Stadt. Ein echtes Zeichen von Gemeinschaftssinn, der bis heute spürbar ist.

Natürlich blieb der Steg nicht unversehrt: Er wurde erweitert, angehoben, im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1946 wieder aufgebaut. Heute ist er Treffpunkt, Aussichtspunkt und Fotomotiv in Einem. Ob man den Blick auf die Skyline genießt oder einfach den Main entlang schlendert – hier spürt man das Herz der Stadt.

Homer über dem Main

Ein besonderes Detail entdecken viele Besucher erst, wenn sie nach oben schauen: alt-griechische Schrift auf dem Querträger.

„ΠΛΕΩΝ ΕΠΙ ΟΙΝΟΠΑ ΠΟΝΤΟΝ ΕΠ’ ΑΛΛΟΘΡΟΟΥΣ ΑΝΘΡΩΠΟΥΣ.“

Es stammt aus Homers Odyssee und heißt:
„Segelnd auf dem weinroten Meer zu Menschen anderer Sprachen.“

Seit 1999 schmückt dieses Zitat den Steg – wie eine kleine philosophische Brücke über die Mainufer hinweg. Frankfurt ist schließlich eine Stadt der Begegnungen, und jeden Tag laufen hier Menschen aus aller Welt über den Eiserner Steg. Homer hätte seine Freude gehabt: Wer über die Brücke geht, erlebt ein kleines Stück Weltoffenheit mitten in der Stadt.

Euer Dimitri
Stadtführer in Frankfurt

Hoch hinaus – ein Besuch auf dem Maintower

Es gibt Orte in Frankfurt, die man einfach gesehen haben muss – zu denen gehört sicher auch der Maintower. Jedes Mal, wenn ich mit einer Gruppe durch die Innenstadt laufe und wir zwischen Hochhäusern und Altbauten entlangziehen, sehe ich, wie sich die Blicke irgendwann unweigerlich nach oben richten. Spätestens dann weiß ich: „Ah, jetzt haben sie ihn entdeckt!“ – den glänzenden Riesen aus Glas und Stahl, der sich wie ein eleganter Wächter über die Stadt erhebt.

Der Maintower ist nicht einfach nur ein Hochhaus – er ist Frankfurts Fenster zum Himmel. Mit seinen rund 200 Metern Höhe (mit Antenne sind’s sogar 240!) gehört er zu den Wahrzeichen der Stadt. Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Besuch dort oben: Es war ein kühler Herbstabend, die Sonne ging langsam über dem Taunus unter, und die ganze Stadt leuchtete in Goldtönen. Frankfurt lag mir zu Füßen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Ein bisschen Geschichte muss sein

Der Turm wurde Ende der 90er gebaut, mitten in der Zeit, als Frankfurt begann, sich seinen Spitznamen „Mainhattan“ redlich zu verdienen. 1999 wurde er eröffnet – und war damals das erste Hochhaus in Deutschland mit einer öffentlich zugänglichen Aussichtsplattform. Bis heute ist das einer meiner liebsten Orte, um Gästen die Stadt zu zeigen.

Von dort oben kann man bei klarer Sicht nicht nur den Main verfolgen, wie er sich elegant durch die Stadt schlängelt, sondern auch weit bis in den Odenwald oder den Taunus blicken. Und wenn man Glück hat, sieht man sogar die winzigen Züge, die wie Spielzeug auf den Schienen entlanggleiten und Flugzeuge starten und landen – ein schöner Kontrast zur Ruhe, die dort oben herrscht.

Mein Tipp für deinen Besuch

Wenn du den Maintower besuchst, geh am besten kurz vor Sonnenuntergang hoch. Tagsüber hast du eine klare Sicht auf die umliegenden Wolkenkratzer und in die Ferne bis zu 100 km, aber sobald die Sonne untergeht und die Lichter der Stadt angehen, verwandelt sich Frankfurt in ein funkelndes Lichtermeer. Ich nenne das immer das „Frankfurter Nordlicht“ – nur ohne Kälte und Polarfüchse.

Und falls du dich fragst: Ja, der Wind pfeift da oben manchmal ordentlich. Ich habe schon so manche Frisur auf der Plattform verschwinden sehen. Also: Jacke zu, Haare festhalten – und einfach genießen.

Ein kleiner Blick nach unten

Im Erdgeschoss lohnt sich übrigens auch ein Blick in die Kunstsammlung der Helaba (die Landesbank Hessen-Thüringen, der der Turm gehört). Viele laufen einfach dran vorbei, dabei ist der Eintritt frei – und man kann spannende moderne Kunst entdecken.

Euer Dimitri
Stadtführer in Frankfurt

Frankfurter Dom: Ein Stück Filmgeschichte mitten in der Stadt

Wenn man durch Frankfurt schlendert, fällt er sofort ins Auge: der Frankfurter Dom, der kirchenrechtlich eigentlich gar kein „Dom“ ist, da er nie eine Bischofskirche war. Offiziell Kaiserdom St. Bartholomäus. Majestätisch, mit seiner gotischen Fassade und dem hohen Turm, scheint er Geschichten aus Jahrhunderten in sich zu tragen. Aber wusstet ihr, dass der Dom auch einen kleinen Auftritt in der Verfilmung von Heidi hat?

In der Filmversion von 1952 wird Heidi, das kleine Mädchen aus der Schweizer Bergidylle in den Alpen, nach Frankfurt gebracht, um im Haus der Familie Sesemann in der Altstadt mal richtig Manieren und das Beten zu lernen, und um der jungen Clara Sesemann als Gesellschafterin zu dienen. Die Stadt ist für sie fremd, laut und verwirrend. Und dann gibt es diese eine Szene: Heidi steht hoch oben auf dem Dom und blickt sehnsüchtig über die Stadt, in der Hoffnung, die Berge ihrer Heimat sehen zu können. Natürlich sieht sie sie nicht. Stattdessen öffnet sich ein Panorama aus Dächern, Straßen und Kirchtürmen.

Ein Denkmahl für Heidi

2018 forderte die „Bürger für Frankfurt“-Fraktion im Römer, dass Heidi ein Denkmal in Frankfurt bekommen soll, denn schließlich spielt die Stadt in den Heidi-Büchern eine wichtige Rolle. Die Schweizer Autorin Johanna Spyri (1827 – 1901) werde zumindest noch mit einem kleinen Weg (Johanna-Spyri-Weg) auf dem Riedberg gewürdigt. Ihre Romanfigur aber tauche in Frankfurt nicht auf.

Der Magistrat lehnte den Vorschlag für ein Denkmal allerdings ab, da Frankfurt im Roman als Gegenteil der Alpenidylle, eine „krankmachende Großstadt“ dargestellt werde. Tatsächlich werden die Figuren hier als blass und herrisch beschrieben und Frankfurt als eine Stadt, in der „so viele Menschen beieinander sitzen und einander bös machen“ und man nicht draußen spielen darf. Aber auch pragmatische Gründe wie die Kosten, die sich erfahrungsgemäß auf mindestens 60 000 Euro belaufen, sowie der begrenzten öffentlichen Raum, sprächen dagegen.

Mehr als nur ein historisches Bauwerk

Heute ist der Dom nicht nur Filmkulisse, sondern ein lebendiger Treffpunkt für Frankfurter und Besucher. Konzerte, Ausstellungen, der alljährliche Weihnachtsmarkt – hier pulsiert das Leben. Wer im Sommer hier vorbeikommt, sollte unbedingt das Freiluftkino, meist im Juli und August, auf der Dachterrasse des Hauses am Dom ausprobieren. Von dort aus hat man einen grandiosen Blick auf den Dom und die Skyline – fast so, als könnte man selbst wie Heidi über die Stadt schweben.

Für mich ist der Frankfurter Dom mehr als nur ein historisches Bauwerk. Er ist ein Ort voller Geschichten, Begegnungen und Sehnsucht. Ob auf der Leinwand oder im echten Leben, der Dom erzählt von Menschen, die hier Hoffnung, Freude und vielleicht auch ein kleines bisschen Sehnsucht gefunden haben.

Wenn ihr also das nächste Mal am Dom vorbeikommt, nehmt euch einen Moment. Schaut euch um, lauscht der Stadt und stellt euch vor, wie Heidi einst von hier oben auf die Welt blickte – voller Träume, voller Fragen und voller Herz.

Euer Dimitri
Stadtführer in Frankfurt

Ein Meilenstein aus Beton – Deutschlands erstes öffentliches Parkhaus in Frankfurt

Wenn ich heute mit Besucherinnen und Besuchern durch Frankfurt spaziere, staunen viele über die gläsernen Türme, die schicken Cafés und die ewige Parkplatzsuche. Kaum jemand ahnt, dass hier, mitten in der Stadt, ein Stück deutscher Verkehrsgeschichte geschrieben wurde – und zwar schon 1956.

Damals weihte Oberbürgermeister Walter Kolb voller Stolz an der Hauptwache Deutschlands erstes öffentliches Parkhaus ein. 400 Autos und 70 Motorräder fanden darin Platz – ein echtes Statement in einer Zeit, in der das Auto noch Symbol für Aufbruch und Wohlstand war. Kolb versprach bei der Eröffnung: „Wir werden weitere Parkhäuser errichten und damit beweisen, dass wir die Zeichen der Zeit verstanden haben.“

Und das war durchaus wörtlich zu nehmen: Nach dem Krieg verwandelten sich viele Trümmergrundstücke in provisorische Parkflächen. Doch mit dem Wiederaufbau verschwanden diese Freiräume – die Stadt musste neue Lösungen finden.

Nichts für schwache Nerven

Die Idee war modern, der Mut der Fahrer dagegen eher verhalten. Wer sich die acht Prozent steile Auffahrtsspirale hinauftraute, musste anschließend noch rechtwinklig millimetergenau zwischen grauen Betonsäulen einparken – nichts für schwache Nerven oder frisch polierte Stoßstangen. Kein Wunder, dass manche lieber einen Bogen um das neue Parkhaus machten und so trotz allem Optimismus das Parkhaus zunächst anfangs wenig genutzt wurde.

Luxus des Parkens

Auch die Preise hatten es in sich. Eine Stunde Parken kostete 20 Pfennig, der ganze Tag 3 Mark – in Zeiten, in denen ein Industriearbeiter rund 2,17 Mark pro Stunde verdiente. Parken war also ein kleines Statussymbol, etwas für Geschäftsleute, die ihre Borgward oder Opel Kapitän sicher abstellen wollten.

Doch Frankfurt war in Sachen Parkdisziplin schon früher experimentierfreudig. Bereits 1954 hatte die Stadt als erste in Deutschland Parkuhren eingeführt – kleine, glänzende Automaten, die eifrig 5- und 10-Pfennig-Stücke verschluckten. Wer nicht bezahlte, bekam schnell Besuch vom Ordnungshüter.

Vom Experiment zum Alltag

Heute wirkt ein Parkhaus wie etwas Selbstverständliches – man fährt hinein, drückt auf den Knopf, zieht sein Ticket, fertig. Aber damals war es ein Stück Zukunft, ein Signal für Fortschritt und Ordnung im beginnenden Autozeitalter.

Wenn ich mit Gruppen an diesem Ort vorbeikomme, stelle ich mir oft vor, wie die Frankfurterinnen und Frankfurter 1956 zum ersten Mal ihre Wagen vorsichtig die Rampe hinaufsteuerten – mit klopfendem Herzen, aber auch mit dem Gefühl, Teil von etwas Neuem zu sein.

Das Parkhaus war mehr als nur Beton und Stahl – es war ein Symbol dafür, dass Frankfurt wieder aufblühte, dass man nach vorne blickte. Und vielleicht, wenn man genau hinhört, hallt zwischen den Wänden dieses alten Bauwerks immer noch ein kleines Echo jener Aufbruchsstimmung.

Euer Dimitri
Stadtführer in Frankfurt

Der Holbeinsteg – Frankfurts elegante Hängebrücke mit Stil

Wenn ich mit Gästen durch Frankfurt gehe, ist der Holbeinsteg immer ein Highlight. Seit seiner Eröffnung 1990 verbindet er das Museumsufer in Sachsenhausen mit dem Bahnhofsviertel und bietet dabei nicht nur eine praktische Überquerung des Mains, sondern auch einen ästhetischen Genuss.

Architektur und Technik

Der Holbeinsteg wurde vom Architekturbüro Albert Speer & Partner im Rahmen der städtebaulichen Planung des Museumsufers entworfen. Die Brücke ist als Hängebrücke mit einer Gesamtlänge von 210 Metern und einer Stützweite von 142 Metern konstruiert. Sie wird von zwei markanten, A-förmigen Stahlpylonen getragen, die mit roten und graublauen Seilen verbunden sind. Diese moderne Konstruktion verleiht der Brücke ein elegantes und zugleich funktionales Erscheinungsbild.

Bedeutung für Frankfurt

Der Holbeinsteg spielt eine zentrale Rolle im Frankfurter Stadtbild. Er verbindet nicht nur zwei Stadtteile, sondern auch verschiedene kulturelle Einrichtungen. Direkt am südlichen Brückenkopf befindet sich der Eingang zum renommierten Städel Museum, und die Brücke führt Besucher zu weiteren bedeutenden Institutionen entlang des Museumsufers. Zudem ist der Holbeinsteg Teil der Radroute 5, die das Museumsufer mit Bockenheim verbindet, und somit ein wichtiger Bestandteil des Frankfurter Radverkehrsnetzes.

Ein Ort für Spaziergänge und Ausblicke

Neben seiner Funktion als Verkehrsinfrastruktur ist der Holbeinsteg auch ein beliebter Ort für Spaziergänge und bietet beeindruckende Ausblicke auf den Main und die Frankfurter Skyline. Besonders bei Sonnenuntergang ist die Brücke ein beliebtes Fotomotiv, da sie eine perfekte Perspektive auf die Stadt bietet.

Bereicherung

Der Holbeinsteg ist mehr als nur eine Brücke – er ist ein Symbol für die moderne Architektur Frankfurts und ein wichtiger Bestandteil des kulturellen und urbanen Lebens der Stadt. Ob als praktischer Übergang oder als Ort der Erholung und des Genusses – der Holbeinsteg bereichert das Stadtbild und lädt zum Verweilen ein.

Euer Dimitri
Stadtführer in Frankfurt

Der Westhafen Tower

Wenn ich mit meinen Stadtführungen auf dem Eisernen Steg stehe, kommt früher oder später immer der gleiche Moment: Jemand schaut in den Westen, kneift die Augen zusammen und fragt: „Dimitri, was ist das denn für ein Gebäude?“

Und ich muss jedes Mal schmunzeln. Denn wer den Westhafen Tower zum ersten Mal sieht, denkt oft, Frankfurt hätte ein überdimensionales Apfelweinglas mitten an den Main gestellt. Und irgendwie stimmt das ja auch.

Architektur mit Augenzwinkern

Der Westhafen Tower steht am westlichen Ende des Frankfurter Mainufers, dort, wo früher der alte Hafen war. Heute glänzt hier moderne Architektur, und der Turm mit seiner markanten, gläsernen Rautenfassade ist ein echter Blickfang.
Entworfen wurde er von Schneider + Schumacher und 2004 fertiggestellt. Mit 112 Metern Höhe und 30 Etagen gehört er zwar nicht zu den ganz großen Hochhäusern der Stadt, aber dafür zu den charakterstärksten.

Die Fassade besteht aus rund 3.556 dreieckige Glaselementen, die je nach Tageslicht in verschiedenen Grüntönen schimmern. Das auffällige Rautenmuster sorgt nicht nur für Schatten und Klimaschutz – es ist auch eine architektonische Hommage an ein Stück Frankfurter Alltagskultur: das „Gerippte“, das traditionelle Glas, aus dem hier der Apfelwein – oder liebevoll „Ebbelwoi“ – getrunken wird.

Warum das „Gerippte“ gerippt ist

Das „Gerippte“ ist mehr als nur ein hübsches Glas – es ist ein cleveres Stück Design mit Geschichte. Das traditionelles Geripptes fasst 0,3 oder 0,5 Liter. Wobei heute die 0,3 l Gerippten immer häuftiger mit 0,25 l fassenden Gläsern ersetzt werden. Diese werden oft auch als „Beschisserglas“ verspottet, da einige Wirte bei der Umstellung der Gläser von 0,3 l auf 0,25 l Fassungsvermögen den alten Preis beibehielten.
Obwohl das 0,5-Liter-Glas eher dem traditionellen Schoppenmaß entspricht, ist das 0,25-Liter-Glas heute eine der gängigen Größen.

Die typischen Rillen und Rauten am Glas haben einen ganz praktischen Grund: Sie sorgten für Griffigkeit wenn man z.B. während der Feldarbeit ohne Besteck gegessen hat.
Mit anderen Worten – auch mit etwas fettigen Fingern rutscht das Glas nicht aus der Hand.

Außerdem brechen die Rauten das Licht so, dass der goldene Apfelwein darin noch schöner funkelt. Manche sagen, er schmeckt aus einem Gerippten einfach besser – und ich muss zugeben, da ist was dran.

Diese Verbindung von Funktion und Tradition, von Alltag und Ästhetik, findet man auch beim Westhafen Tower wieder. Seine Fassade ist sozusagen das moderne Pendant – ein gigantisches „Geripptes“ aus Glas und Stahl.

Das größte „Gerippte“ der Welt

Wenn man sich das Gebäude so ansieht, kann man sich kaum dem Vergleich entziehen. Die Rautenstruktur zieht sich über die gesamte Fassade – wie die Maserung auf einem Glas, nur eben in XXL.
Würde man den Westhafen Tower komplett mit Apfelwein füllen, kämen etwa 180 Millionen Liter zusammen! Das entspricht rund 545 Millionen „Gerippten“ à 0,3 Liter oder 720 Millionen Beschissergläsern.
Statistisch trinken die Hessen alle viereinhalb Jahre einmal den Westhafen Tower leer.

Zwischen Tradition und Moderne

Der Westhafen Tower zeigt wunderbar, was Frankfurt so besonders macht: Hier treffen Tradition und Moderne aufeinander, ohne sich gegenseitig im Weg zu stehen.
Das urige Apfelweinglas lebt im Design eines modernen Bürohochhauses weiter – eine charmante Verbindung von Frankfurter Gemütlichkeit und internationaler Architektur.

Ich sage immer: Der Westhafen Tower ist wie ein Apfelweinlokal in Businesskleidung – außen modern, innen mit Frankfurter Seele.

Tipp für Besucher:
Am besten sieht man den Westhafen Tower von der gegenüberliegenden Mainseite, besonders zum Sonnenuntergang. Dann glitzern die Glasrauten wie in flüssigem Gold – und man versteht, warum wir Frankfurter unsere Skyline liebevoll „Mainhattan“ nennen.

Wenn du jetzt Lust bekommen hast, den Westhafen Tower und viele andere spannende Ecken Frankfurts selbst zu entdecken, dann schau gerne auf meiner Stadtführer-Seite vorbei. Dort findest du meine Stadtführungen, bei denen ich dir nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten zeige, sondern auch die Geschichten dahinter erzähle – mit einem Augenzwinkern und einer Portion Frankfurter Charme. Gemeinsam erkunden wir, wo sich Tradition und Moderne treffen, wo ein Hochhaus zum „Gerippten“ wird und wo Frankfurt seine ganz eigene Seele zeigt. Ich freue mich darauf, dir meine Stadt auf meine Art zu zeigen!

Euer Dimitri
Stadtführer in Frankfurt