{"id":261,"date":"2025-11-01T09:17:39","date_gmt":"2025-11-01T08:17:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.erlebnis-frankfurt.de\/blog\/?p=261"},"modified":"2025-11-08T09:18:25","modified_gmt":"2025-11-08T08:18:25","slug":"ein-abstecher-in-die-saalgasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.erlebnis-frankfurt.de\/blog\/ein-abstecher-in-die-saalgasse\/","title":{"rendered":"Ein Abstecher in die Saalgasse"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Frankfurts vergessener Nachbar der Neuen Altstadt<\/h2>\n\n\n\n<p>\u201eHier geht\u2019s doch gar nicht in die Neue Altstadt!\u201c \u2013 Diesen Satz h\u00f6re ich bei <a href=\"https:\/\/erlebnis-frankfurt.de\">meinen F\u00fchrungen<\/a> regelm\u00e4\u00dfig, wenn ich nach dem Historischen Museum und der Alten Nikolaikirche nicht geradeaus, sondern rechts in die Saalgasse abbiege. Und jedes Mal muss ich ein bisschen schmunzeln. Denn ja, streng genommen f\u00fchrt der Weg nicht in die <strong>Neue Altstadt<\/strong>, aber er f\u00fchrt zu einem wesentlich \u00e4lteren, aber nicht weniger spannenden und zugleich meist \u00fcbersehenen Projekt \u2013 der <strong>Saalgasse<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Krieg war Frankfurt eine Stadt der Baustellen und Br\u00fcche. Wer sich alte Fotos anschaut, erkennt kaum noch das mittelalterliche Gassengewirr, das einst den R\u00f6merberg umgab. Zwischen Schutt und Neubeginn entschied man sich in den 1950ern und 60ern f\u00fcr den funktionalen Wiederaufbau \u2013 Hauptsache, die Menschen hatten wieder ein Dach \u00fcber dem Kopf. An den Charme der alten Altstadt wagte man sich erst Jahrzehnte sp\u00e4ter wieder heran.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst Ende der 1970er Jahre kam Bewegung in die Sache. Der gro\u00dfe Parkplatz am R\u00f6merberg, der viele Jahre lang einfach nur eine graue Fl\u00e4che mitten im Herzen der Stadt war, sollte verschwinden. Ein Architekturwettbewerb wurde ausgeschrieben, bei dem sich Architekt:innen mit ihrem Konzept zur Rekonstruktion der Fachwerk-H\u00e4userzeile am \u00f6stlichen R\u00f6merberg bewerben konnten: Wer kann den Geist der alten Fachwerkzeile am besten wiederbeleben?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stadt bekam so viele gute Entw\u00fcrfe, dass sie kurzerhand beschloss, auch die <strong>Saalgasse<\/strong> als Experimentierfeld freizugeben. Zw\u00f6lf Architektinnen und Architekten erhielten den Auftrag, hier 14 H\u00e4user zu entwerfen \u2013 jedes auf einer winzigen Parzelle von nur rund <strong>7,5 Metern Breite<\/strong>, <strong>10 Metern Tiefe<\/strong> und <strong>vier Stockwerken H\u00f6he<\/strong>. Die Vorgabe: Altstadtdimensionen, aber mit moderner Sprache. Das Ergebnis: eine postmoderne Wundert\u00fcte aus Farben, Formen und Ideen, die bis heute erstaunt und begeistert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Und so gleicht kein Haus in der Saalgasse dem anderen.<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Heinrici &amp; Geiger <\/strong>\u2013 (Saalgasse 28) Die beiden waren schon f\u00fcr den \u201eSchwarzen Stern\u201c zust\u00e4ndig, das historische Eckgeb\u00e4ude, das viele nur vom Vorbeigehen kennen. Kein Wunder also, dass sie auch die angrenzenden Eckh\u00e4user gestalteten. Ihre H\u00e4user wirken vertraut und gleichzeitig selbstbewusst, ein eleganter \u00dcbergang von Alt zu Neu.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fischer, Glaser &amp; Kretschmer<\/strong> \u2013 (Saalgasse 26) Hier begegnet einem ein wahres Farb- und Materialfeuerwerk. Asymmetrische Erker brechen die sonst sehr gleichf\u00f6rmige Rasterfassade auf und verleihen dem Haus Lebendigkeit. Ich erz\u00e4hle meinen G\u00e4sten gern, dass man hier fast das Gef\u00fchl hat, das Geb\u00e4ude \u201eatmet\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jourdan, M\u00fcller &amp; Albrecht<\/strong> \u2013 (Saalgasse 24) Die Form ist klar, schlicht und funktional, fast schon minimalistischer Natur. Die dekorlosen Wandfl\u00e4chen und die geradlinige Anordnung erinnern an neue Sachlichkeit, Art D\u00e9co und Expressionismus \u2013 ein ruhiger Gegenpol zu den farbenfrohen Nachbarn.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Adolfo Natalini<\/strong> \u2013 (Saalgasse 22) An der \u00f6stlichen Ecke steht ein Wohnhaus mit einer monumentalen Tonnens\u00e4ule. Sie markiert nicht nur die Sonderstellung des Eckhauses, sondern signalisiert den \u00dcbergang zur Schirn \u2013 fast wie ein stiller T\u00fcrsteher zwischen zwei st\u00e4dtischen Welten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Charles Moore<\/strong> \u2013 (Saalgasse 18)  Wer genauer hinsieht, entdeckt in den Sprossenfenstern feine Jugendstil-Ankl\u00e4nge. Moore ging bewusst eigene Wege, auch wenn die st\u00e4dtebaulichen Vorgaben streng gewesen w\u00e4ren \u2013 das Haus wirkt dadurch verspielt, fast wie ein kleines Kunstwerk zwischen den strengeren Nachbarn.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Berghof, Landes &amp; Rang<\/strong> \u2013 (Hausnummer 16) Dieses Haus ist ein echter Augenschmaus: Eine Allegorie eines kopf\u00fcber stehenden Fachwerkhauses, verziert mit sternenf\u00f6rmigen \u00d6ffnungen. Es strahlt eine verspielte Leichtigkeit aus, die in der sonst kompakten Gasse sofort ins Auge f\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Unglaub &amp; Horvath<\/strong> \u2013 (Saalgasse 14) Glatt abgeschnittener Giebel, breiter Eingang im Erdgeschoss \u2013 eine subtile Hommage an die Altstadtbauten, die hier im Krieg zerst\u00f6rt wurden. Man sp\u00fcrt die Geschichte, ohne dass sie einem ins Gesicht springt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eisele &amp; Fritz<\/strong> \u2013 (Saalgasse 12) Die Fachwerkskonstruktionen der Vergangenheit werden hier in modernen Materialien interpretiert: Viergeschossiger Wintergarten, ein filigraner Stahlmast als Giebel \u2013 eine clevere Paraphrase der alten Bauten, die gleichzeitig erstaunlich modern wirkt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Christoph M\u00e4ckler<\/strong> \u2013 (Saalgasse 10) Eine torartige Eingangssituation und gro\u00dfe Schaufenster laden den Passanten ein, hineinzuschauen. So wird die Ladenzone des Erdgeschosses bewusst in Szene gesetzt \u2013 eine Reminiszenz an die fr\u00fcheren Scharnh\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Von Gerkan, Marg &amp; Partner<\/strong> \u2013 (Saalgasse 8) Ihr Haus ist bewusst zur\u00fcckhaltend gestaltet. Die reduzierte Materialwahl und ausgewogene Farbgebung erzeugen eine ruhige, harmonische Wirkung \u2013 ein optisches Durchatmen mitten in der lebhaften Gasse.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herms<\/strong> \u2013 (Saalgasse 6) Hier trifft Gotik auf italienischen Manierismus und barocke Kirchenarchitektur. Das Haus wirkt wie ein Sammelsurium unterschiedlichster Stilreferenzen, und gerade das macht seinen Charme aus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bangert, Jansen, Scholz &amp; Schultes<\/strong> \u2013 (R\u00f6merberg 8-10) Das dreiteilige Eckhaus bildet den Abschluss der Saalgasse. Gr\u00f6\u00dfe, Ma\u00dfstab und Farbigkeit spielen auf den Kopfbau des langen Galerietrakts der Schirn an \u2013 ein eleganter Schlusspunkt, der die Gasse nach au\u00dfen abrundet.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer die Saalgasse entlangspaziert, entdeckt ein St\u00fcck Frankfurt, das sich seiner selbst bewusst ist: nicht nostalgisch, aber auch nicht kaltmodern. Sie ist ein architektonisches Gespr\u00e4ch zwischen Vergangenheit und Zukunft \u2013 und genau deshalb liebe ich es, meine G\u00e4ste hierher zu f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man dann am Ende wieder Richtung Mainufer blickt, wo sich die 60er-Jahre-Bauten mit ihren klaren Linien aneinanderreihen, merkt man, wie klug diese Gasse eigentlich gedacht war: Sie verbindet Epochen, Stile und Ideen \u2013 auf wenigen Metern.<\/p>\n\n\n\n<p>Und jedes Mal, wenn jemand am Ende sagt: \u201eJetzt verstehe ich, warum Sie hier abbiegen, Dimitri\u201c, wei\u00df ich, dass es sich gelohnt hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Euer Dimitri<\/strong><br>Stadtf\u00fchrer in Frankfurt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frankfurts vergessener Nachbar der Neuen Altstadt \u201eHier geht\u2019s doch gar nicht in die Neue Altstadt!\u201c \u2013 Diesen Satz h\u00f6re ich bei meinen F\u00fchrungen regelm\u00e4\u00dfig, wenn ich nach dem Historischen Museum und der Alten Nikolaikirche nicht geradeaus, sondern rechts in die Saalgasse abbiege. 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