{"id":175,"date":"2025-09-04T12:10:36","date_gmt":"2025-09-04T10:10:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.erlebnis-frankfurt.de\/blog\/?p=175"},"modified":"2025-10-10T19:28:47","modified_gmt":"2025-10-10T17:28:47","slug":"eine-neue-kulturmeile-entsteht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.erlebnis-frankfurt.de\/blog\/eine-neue-kulturmeile-entsteht\/","title":{"rendered":"Eine neue Kulturmeile entsteht"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Erste Schritte und Planungsphase: Wie alles anfing<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon seit Jahren steht fest: Die Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz (Oper + Schauspiel) ist nicht mehr in einem Zustand, der den Anforderungen der Gegenwart gen\u00fcgt. Die technische Ausstattung, die Probenr\u00e4ume, die B\u00fchneninfrastruktur \u2013 alles wurde gepr\u00fcft, manches gewartet, vieles aber schlicht \u00fcberholt. In einer Machbarkeitsstudie von 2017 wurde deutlich, dass allein die Sanierung enorme Summen verschlingen w\u00fcrde \u2013 teilweise kaum weniger als ein Neubau.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Immer spannend fand ich, dass sich in dieser Phase nicht nur Architekt:innen und Politiker:innen den Kopf zerbrachen, sondern auch viele Menschen, die einfach jahrelang ins Theater gehen, gucken, hoffen. So gab es von Juni bis September 2020 eine Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum (DAM) Frankfurt, die sich genau mit diesem Thema besch\u00e4ftigt hat: \u201eZur Zukunft der St\u00e4dtischen B\u00fchnen: Standorte und Stadtr\u00e4ume\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Untersuchungen wurden angestellt: verschiedene Varianten, Kosten, \u00d6kologie, Nutzerfreundlichkeit, st\u00e4dtebauliche Einbindung. Da gab\u2019s die Idee der \u201cSpiegelvariante\u201d, eines Neubaus der Doppelanlage am alten Ort, des Schauspielhauses irgendwo neu und Oper am Willy-Brandt-Platz, oder eben \u2013 die sich mittlerweile durchgesetzt habende \u2013 Variante der \u201cKulturmeile\u201d.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Variante \u201eKulturmeile\u201c: Was hei\u00dft das konkret?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201cKulturmeile\u201d \u2013 ein Wort, das Hoffnung macht und schon ein bisschen Vision enth\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurz gefasst: Die Oper soll neu gebaut werden <strong>am Willy-Brandt-Platz<\/strong>, der Schauspielhaus wird neu errichtet <strong>an der Neuen Mainzer Stra\u00dfe 47-51<\/strong> (das aktuelle Grundst\u00fcck der Frankfurter Sparkasse) und beide H\u00e4user werden Teil einer st\u00e4dtischen Achse \u2013 einer Kulturzone, die sich vom Museumsufer \u00fcber die Neue Oper bis zum Neuen Schauspiel und der Alte Oper erstreckt. Zwischen Gr\u00fcnanlagen, entlang der Wallanlagen, in Sichtbeziehung zu Museen \u2013 eine Art verl\u00e4ngerter Kulturraum, nicht nur zwei einzelne Bauprojekte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein sch\u00f6nes Bild: Stell dir vor, du gehst vom Museumsufer Richtung Alte Oper, weiter durch die Wallanlagen, erreichst die neue Oper am Willy-Brandt-Platz, und gleich ums Eck das Schauspielhaus und weitere Museen \u2013 Kultur aneinander gereiht, ein ganzer Spaziergang, der Kultur durch die Stadt sichtbar macht. Kein abseits stehendes Theatergeb\u00e4ude, sondern Teil der urbanen Identit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Finanzierung und Kosten: Das gro\u00dfe Rechnen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich wirft ein Projekt dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung viele Fragen auf, vor allem rund um die Kosten und die Finanzierung. Aktuell liegen die Gesamtkosten f\u00fcr <strong>Oper und Schauspielhaus bei etwa 1,27 bis 1,3 Milliarden Euro<\/strong>. Die Stadt plant, das Grundst\u00fcck an der Neuen Mainzer Stra\u00dfe im Erbbaurecht zu \u00fcbernehmen, was einmalig rund 210 Millionen Euro kostet, dazu kommen j\u00e4hrliche Pachtzahlungen von etwa 1,99 Millionen Euro \u00fcber einen sehr langen Zeitraum \u2013 in diesem Fall 199 Jahre. Zus\u00e4tzlich musste sorgf\u00e4ltig gepr\u00fcft werden, wie teuer Zwischenl\u00f6sungen sind: Wo spielt das Schauspiel, w\u00e4hrend das neue Haus noch im Bau ist, und wohin zieht die Oper vor\u00fcbergehend? Diese \u00dcberlegungen k\u00f6nnen die Kosten weiter in die H\u00f6he treiben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders gefallen hat mir dabei, dass man alles daransetzt, den <strong>laufenden Betrieb so wenig wie m\u00f6glich zu st\u00f6ren<\/strong>. Geplant ist, dass zun\u00e4chst das Schauspielhaus gebaut wird, die Oper dann vor\u00fcbergehend dorthin zieht, bis ihr neues Haus fertig ist, sodass St\u00fcckbetrieb, Proben und Vorstellungen m\u00f6glichst reibungslos weiterlaufen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Politische Debatten und Gegenstimmen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich war nicht alles ein einfaches \u201e<strong>Ja, machen wir sofort<\/strong>\u201c. Es gab \u2013 und gibt \u2013 durchaus berechtigte Kritik. So weist etwa die Initiative <em><strong>Zukunft St\u00e4dtische B\u00fchnen<\/strong><\/em> auf m\u00f6gliche <strong>versteckte Kosten,<\/strong> auf die <strong>CO\u2082-Bilanz <\/strong>und auf <strong>Einsparpotenziale<\/strong> durch eine Sanierung statt eines kompletten Neubaus hin. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch der Eingriff in die Wallanlagen sorgt f\u00fcr Diskussionen, ebenso wie die Frage, ob denkmalgesch\u00fctzte Teile \u2013 etwa das ber\u00fchmte <em><strong>Wolkenfoyer<\/strong><\/em> \u2013 \u00fcberhaupt erhalten werden k\u00f6nnen. Nach aktuellem Stand w\u00e4re das, so die Stadt, nur in sehr geringem Umfang oder gar nicht m\u00f6glich. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und schlie\u00dflich steht auch die <strong>Finanzierung<\/strong> im Fokus: Wer \u00fcbernimmt welche Anteile, wie viel tragen Bund und Land bei, und wie stark wird der Frankfurter Haushalt dadurch belastet? Klar ist jedenfalls, dass die Stadt dieses Projekt allein kaum stemmen kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Beschl\u00fcsse &amp; aktueller Stand<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um Klarheit dar\u00fcber zu bekommen, wo wir aktuell stehen: <br>Im Dezember 2023 haben die Stadtverordneten beschlossen, dass <strong>die Oper am Willy\u2011Brandt\u2011Platz verbleibt<\/strong>, w\u00e4hrend <strong>das Schauspielhaus einen neuen Standort an der Neuen Mainzer Stra\u00dfe<\/strong> erh\u00e4lt. Damit ist die Kulturmeile offiziell beschlossen. Begleitend gibt es eine Rahmenvereinbarung mit Helaba und der Frankfurter Sparkasse, die das Grundst\u00fcck im Erbbaurecht an die Stadt \u00fcbergeben, sodass die Planungen, Architekturwettbewerbe und weitere Schritte nun umgesetzt werden k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zeitlich wird gesch\u00e4tzt, dass das Schauspielhaus bis 2031 fertiggestellt sein k\u00f6nnte, die Oper voraussichtlich bis 2037.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die neue Kulturmeile: Was sie sein kann \u2013 und was nicht<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich glaube, dass diese Kulturmeile weit mehr ist als nur der Zusammenschluss von Oper und Schauspielhaus. Sie ist <strong>eine gro\u00dfe Chance<\/strong> \u2013 f\u00fcr urbanes Leben, f\u00fcr Begegnung und f\u00fcr neue Stadtr\u00e4ume. Man kann sich vorstellen, wie entlang dieser Achse Gr\u00fcnfl\u00e4chen, Spazierwege und klare Sichtachsen entstehen, die der Stadt Raum zum Atmen geben und Kultur zu einem selbstverst\u00e4ndlichen Teil des Alltags machen. Menschen kommen nicht nur, um eine Vorstellung zu sehen, sondern treffen sich schon vorher oder bleiben danach noch, nutzen Caf\u00e9s und Pl\u00e4tze, genie\u00dfen die Atmosph\u00e4re. Die Geb\u00e4ude sollen sich \u00f6ffnen \u2013 auch au\u00dferhalb der Spielzeiten \u2013 und Raum bieten f\u00fcr Begegnungen, Stadtteilkultur oder kleinere Veranstaltungen. Ein neues Schauspielhaus bedeutet zudem modernere Ausstattung, bessere Arbeitsbedingungen und flexiblere R\u00e4ume \u2013 die Chance also, Theater neu zu denken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich birgt ein solches Projekt auch Risiken. Baukosten k\u00f6nnten explodieren, wie es bei Gro\u00dfprojekten oft der Fall ist. Wenn die \u00dcbergangsl\u00f6sungen nicht funktionieren, leidet wom\u00f6glich der laufende Spielbetrieb. Und nicht zuletzt besteht die Gefahr, dass der versprochene Mehrwert f\u00fcr die Stadtgesellschaft zu gering bleibt \u2013 besonders f\u00fcr jene, die nicht ohnehin regelm\u00e4\u00dfig ins Theater gehen. Dann w\u00e4re die Kulturmeile am Ende ein Ort f\u00fcr wenige statt f\u00fcr viele, elit\u00e4r statt offen und einladend.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Meine pers\u00f6nliche Einsch\u00e4tzung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich finde, es ist ein mutiger Schritt, den Frankfurt da geht. Oft genug sieht man Projekte, bei denen viel geredet, aber wenig umgesetzt wird. Hier sieht man, wie aus vielf\u00e4ltigen Pr\u00fcfungen, Debatten, Varianten \u2013 etwas Konkretes entsteht. Ich habe Respekt vor der Geduld und dem Engagement von Menschen, die sich daf\u00fcr einsetzen, dass Kultur nicht irgendwo versteckt bleibt, sondern Teil der Stadt wird \u2013 sichtbar, erlebbar und vor allem nahbar f\u00fcr alle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Euer Dimitri<\/strong><br>Stadtf\u00fchrer in Frankfurt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erste Schritte und Planungsphase: Wie alles anfing Schon seit Jahren steht fest: Die Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz (Oper + Schauspiel) ist nicht mehr in einem Zustand, der den Anforderungen der Gegenwart gen\u00fcgt. Die technische Ausstattung, die Probenr\u00e4ume, die B\u00fchneninfrastruktur \u2013 alles wurde gepr\u00fcft, manches gewartet, vieles aber schlicht \u00fcberholt. 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