{"id":125,"date":"2025-01-12T14:24:44","date_gmt":"2025-01-12T13:24:44","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.erlebnis-frankfurt.de\/?p=125"},"modified":"2025-11-08T13:56:06","modified_gmt":"2025-11-08T12:56:06","slug":"der-traum-von-der-hauptstadt-und-der-ueberraschende-dreh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.erlebnis-frankfurt.de\/blog\/der-traum-von-der-hauptstadt-und-der-ueberraschende-dreh\/","title":{"rendered":"Der Traum von der Hauptstadt \u2014 und der \u00fcberraschende Dreh"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg standen die Westzonen Deutschlands vor der Frage: Wo sollen die neuen Bundesorgane sitzen? Berlin war durch die Teilung ausgeschlossen, und so bewarben sich mehrere St\u00e4dte \u2013 darunter Frankfurt, Bonn, Kassel und Stuttgart \u2013 um die Rolle des provisorischen Regierungssitzes.<\/p>\n\n\n\n<p>Frankfurt galt damals in vielen Kreisen als Favorit. Die Stadt hatte demokratische Tradition (so war hier 1848\/49 die Nationalversammlung in der Paulskirche), sie lag relativ zentral in den Westzonen, und viele dachten, dass sie das Potenzial f\u00fcr einen Regierungssitz mitbr\u00e4chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber politische Konstellationen und Hinterzimmer-Deals spielten eine gewichtige Rolle: Die CDU \u2013 insbesondere Konrad Adenauer \u2013 setzte sich hinter den Kulissen intensiv f\u00fcr Bonn ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 10. Mai 1949 kam es zur geheimen Abstimmung im Parlamentarischen Rat. Mit <strong>33 zu 29 Stimmen<\/strong> setzte sich Bonn knapp gegen Frankfurt durch. <\/p>\n\n\n\n<p>Doch das war noch nicht das letzte Wort: Der erste Bundestag stimmte am 3. November 1949 erneut \u00fcber das Thema ab \u2013 und der Beschluss fiel diesmal mit 200 zu 176 Stimmen (bei drei Enthaltungen und einigen ung\u00fcltigen Stimmen) <strong>zugunsten Bonns<\/strong> aus. <\/p>\n\n\n\n<p>Somit blieb Bonn \u2013 zun\u00e4chst als provisorischer Regierungssitz \u2013 bestehen, und Frankfurt verlor seine Chance auf den zentralen politischen Rangplatz.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Rede, die nie gesendet wurde<\/h3>\n\n\n\n<p>In all dem Trubel hatte Frankfurts Oberb\u00fcrgermeister <strong>Walter Kolb<\/strong> bereits pragmatisch und optimistisch gehandelt: Er lie\u00df eine Dankesrede beim damaligen Radio Frankfurt (dem sp\u00e4teren Hessischen Rundfunk) aufnehmen \u2013 mit dem Gedanken, sie am 10. Mai 1949 als Dank an die B\u00fcrger zu senden, falls Frankfurt die Wahl gewinnen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Der knappe Sieg Bonns machte diese Rede jedoch zur Makulatur \u2013 sie wurde <strong>nie ausgestrahlt<\/strong>. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Archiv des Hessischen Rundfunks ist sie dennoch \u00fcberliefert \u2013 und in der <a href=\"https:\/\/www.ardaudiothek.de\/episode\/urn:ard:episode:54632c45ebcbe78b\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.ardaudiothek.de\/episode\/urn:ard:episode:54632c45ebcbe78b\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ARD Audiothek <\/a>kann man sie sich online anh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Er beginnt seine Rede mit den Worten:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eLiebe deutsche Mitlandsleute, liebe Frankfurter Mitb\u00fcrger,<br>unsere Stadt Frankfurt hat die Nachricht, dass sie zur Bundeshauptstadt gew\u00e4hlt wurde, keineswegs mit dem Gef\u00fchl irgendeines Triumphes gegen\u00fcber anderen deutschen St\u00e4dten aufgenommen.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Gedanke zum Abschluss<\/h3>\n\n\n\n<p>Wenn man \u00fcber solche Wendepunkte nachdenkt, wird klar: Geschichte ist oft keine geradlinige Erz\u00e4hlung von Logik und Ideal, sondern ein Geflecht aus \u00dcberzeugung, Macht, Timing \u2013 und manchmal auch Gl\u00fcck oder Kalk\u00fcl. F\u00fcr uns heute bleibt selbstverst\u00e4ndlich, dass Bonn die Hauptstadt wurde. Aber f\u00fcr einen kurzen Moment war Frankfurt ganz nah dran \u2013 und dieser Moment hat Spuren hinterlassen: Das geplante Parlamentsgeb\u00e4ude am Dornbusch wurde sp\u00e4ter zum Funkhaus des hr, und das \u201eKolbs Badewanne\u201c (wie manche den Rundbau sp\u00f6ttisch nannten) steht noch heute im Stadtbild.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn du jetzt Lust bekommen hast, diese spannenden historischen Orte Frankfurts selbst zu entdecken, dann schau gerne auf <strong><a href=\"https:\/\/erlebnis-frankfurt.de\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/erlebnis-frankfurt.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">meiner Stadtf\u00fchrerseite<\/a><\/strong> vorbei. Bei meinen Stadtf\u00fchrungen zeige ich dir nicht nur die bekannten Sehensw\u00fcrdigkeiten, sondern auch die Geschichten und Wendepunkte, die Frankfurt fast zur Hauptstadt gemacht h\u00e4tten. Gemeinsam spazieren wir durch Orte voller Geschichte, h\u00f6ren Anekdoten, die im Stadtbild weiterleben, und erleben Frankfurt auf eine ganz besondere Art und Weise \u2013 lebendig, \u00fcberraschend und mit einem Blick f\u00fcr das Besondere.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Euer Dimitri<\/strong><br>Stadtf\u00fchrer in Frankfurt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg standen die Westzonen Deutschlands vor der Frage: Wo sollen die neuen Bundesorgane sitzen? Berlin war durch die Teilung ausgeschlossen, und so bewarben sich mehrere St\u00e4dte \u2013 darunter Frankfurt, Bonn, Kassel und Stuttgart \u2013 um die Rolle des provisorischen Regierungssitzes. Frankfurt galt damals in vielen Kreisen als Favorit. 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