Archiv des Autors: Dimitri Kudrin

Heiligabend auf dem Römerberg – das alljährliches Weihnachtswunder

Es ist Heiligabend in Frankfurt. Die Luft ist frostig, und der Römerberg beginnt sich langsam zu füllen. Bis 17:35 Uhr legt das Große Stadtgeläut eine magische Klangdecke über die winterliche Innenstadt. Überall stehen Menschen mit Thermosflaschen in der Hand, aus denen dampfender Glühwein oder heißer Apfelsaft in kleinen Schlucken geteilt wird. Man grüßt sich, lacht, erzählt kurze Anekdoten, während Kinder in bunten Winterjacken zwischen den Menschen umherspringen oder sich in warmen Bollerwägen einkuscheln. Ein bisschen Chaos, ein bisschen Freude – und eine Wärme, die sofort spürbar ist.

Die Posaunenbläser der Frankfurter Bläserschule nehmen ihre Plätze auf Außenempore der Alte Nikolaikirche ein. Und dann ertönt der erste Ton. Ein warmer Posaunenklang schwebt über den Platz, und plötzlich ist das Lachen, das Geplauder und das Rascheln der Winterkleider wie weggeblasen. Nur noch Magie und ein wohlig warmes Gefühl im Bauch, dass sich schnell im ganzen Körper ausbreitet, und der eine oder andere bekommt vor Rührung feuchte Augen. Glaubt mir – ein wirklich magischer Moment!

Und dann beginnt es: Anfangs zögerlich, fast schüchtern, finden die Stimmen zusammen. Schnell mischen sich Kinderstimmen, Erwachsene fangen an mitzusingen, und man spürt, wie Fremde zu Nachbarn werden. „Stille Nacht“, „O Du fröhliche“ und ein weiteres Weihnachtslied. Man nimmt einen tiefen Schluck aus der Thermosflasche, nickt dem Nachbarn zu, und für einen Moment ist die Kälte vergessen – nur Musik, Freude und Gemeinschaft zählen. Der Weihnachtsstress der letzten Tage und Stunden ist ganz weit weg und man ist gemeisam einfach nur glücklich.

Es ist schwer zu beschreiben, warum dieser Moment so besonders ist. Vielleicht liegt es daran, dass hier wirklich alle zusammenkommen, um die gleiche einfache Freude zu teilen. Ein kurzer Blick in die Gesichter der Kinder, ein Lächeln von den Erwachsenen, ein warmer Ton, der von der Turmgalerie der Alte Nikolaikirche über den Römerberg schwebt – und man weiß: Das ist er, der Geist von Weihnachten.

Wenn ihr dieses Jahr dabei seid, packt euch warm ein, nehmt Freunde oder Familie mit und lasst euch auf diese kleine, aber intensive Erfahrung ein. Heiligabend auf dem Römerberg ist nicht nur ein musikalisches Ereignis – es ist ein Stück Herz der Stadt, das man live spüren kann. Und vielleicht sehen wir uns ja – auf einen Glühwein…

Euer Dimitri
Stadtführer in Frankfurt

Willkommen auf meinem Frankfurt-Stadtführer-Blog!

Ich bin Dimitri – Stadtführer, Geschichtenerzähler, seit 36 Jahren leidenschaftlicher Frankfurter (oder zumindest nie wirklich weit weg). Seit 2024 bin ich zertifizierter Stadtführer der Stadt Frankfurt, und ich darf das tun, was mir am meisten Freude bereitet: Menschen zeigen, warum Frankfurt so viel mehr ist als Banken, Börse und Business.

Wer schon einmal mit mir auf einer Tour unterwegs war, weiß: Ich liebe diese Stadt. Und genau diese Liebe möchte ich hier weitergeben – so, wie ich es auch bei meinen Führungen tue.

Immer wieder höre ich von meinen Gästen, dass sie Frankfurt ganz anders erwartet haben. „Ich dachte, das wäre nur Banken, Glas und Grau“, sagen viele – und sind dann überrascht, wie viel Herz, Geschichte und Wärme zwischen den Hochhäusern steckt. Frankfurt ist vielschichtig, manchmal widersprüchlich, aber immer echt. Und genau das fasziniert mich.

Mir geht es dabei nicht darum, Geschichtsunterricht zu halten oder mit Jahreszahlen um mich zu werfen. Natürlich steckt Geschichte in jedem Pflasterstein – aber was mich interessiert, ist das Leben dazwischen. Die Stadt, wie sie klingt, riecht und sich anfühlt. Ich möchte euch mein Frankfurt zeigen: lebendig, eigenwillig, herzlich – mit Ecken und Kanten, aber auch mit unzähligen liebenswürdigen Plätzen, die man nur entdeckt, wenn man die Augen offen hält.

In diesem Blog möchte ich das weiterführen, was ich auf meinen Touren anfange: den Blick für die kleinen Wunder schärfen, die im Alltag leicht übersehen werden. Ich lade euch ein, mit mir in ein Frankfurt einzutauchen, das manchmal laut und wild ist – und dann wieder ganz leise, fast zärtlich.

Also: Schuhe schnüren, Herz öffnen – und los geht’s. Willkommen in meinem Frankfurt.

Euer Dimitri
Stadtführer in Frankfurt

Wenn Frankfurt klingt – Das Stadtgeläut

Es gibt Momente in Frankfurt am Main, da steht die Stadt für einen Augenblick still. Kein Autolärm, kein Stimmengewirr, nur Klang. Tief, warm, ehrwürdig. Dann weiß man: Es ist wieder Zeit für das Große Stadtgeläut Frankfurt – eines der beeindruckendsten Klangereignisse, die eine deutsche Stadt zu bieten hat.

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Mal: Ein frostiger Adventssamstag, der Römerberg voll Menschen, Glühweinduft in der Luft – und plötzlich beginnt der Himmel zu schwingen. Erst ein einzelner Ton, dann viele. Glocken antworten sich über die Dächer hinweg, und der Klang legt sich wie eine Decke über die Innenstadt Frankfurts. Ich stand einfach da und lauschte – und war verloren in diesem Moment.

Eine Komposition aus Bronze

Dass in Frankfurt alle Glocken gemeinsam läuten, ist schon seit 1347 belegt. Im Mai 1856 beschloss der Senat der Freien Stadt Frankfurt, zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten ein gemeinsames Geläut der Innenstadtkirchen zu veranstalten. Es war ein Symbol des Zusammenhalts – und ist es bis heute geblieben.

Doch das, was wir heute alsGroßes Stadtgeläut kennen, wurde erst 1954 in seiner heutigen Form geschaffen. Da nach dem Zweiten Weltkrieg viele Kirchen und deren Glocken zerstört waren, musste die Stadt Frankfurt, die seit der Säkularisation von 1802 Eigentümerin der Innenstadtkirchen war, viele zerstörte Gotteshäuser wieder aufzubauen und zahlreiche neue Glocken gießen lassen.

Um die Geläute der Innenstadtkirchen klanglich aufeinander abzustimmen, beauftragte die Stadt Frankfurt den Mainzer Glocken- und Orgelsachverständigen Prof. Paul Smets. Sein Konzept schuf ein harmonisches Gesamtwerk, das in Fachkreisen bis heute als einzigartig gilt – auch im internationalen Vergleich: 50 Glocken mit einem Gesamtgewicht von 64.804 Kilogramm, jede mit eigenem Charakter, doch perfekt aufeinander abgestimmt.

Der Ablauf des Großen Stadtgeläuts

Das Stadtgeläut folgt einer festen Choreographie – fast wie ein musikalischer Spaziergang durch die Stadt:

  • In der Paulskirche eröfnet die Bürgerglocke das Geläut, gefolgt von ihren fünf kleineren Schwestern.
  • Dann bringen die vier Glocken der Katharinenkirche an der Hauptwache helle, klare Töne ins Spiel.
  • Die fünf Glocken der Liebfrauenkirche fügen weiche, harmonische Klänge hinzu.
  • Peterskirche (vier Glocken) und Dominikanerkloster (drei Glocken) schließen sich nördlich an.
  • Leonhardskirche (sechs Glocken) und Karmeliterkloster (vier Glocken) bringen Tiefe und Fülle.
  • Vier Glocken der Alte Nikolaikirche am Römerberg runden das Stadtzentrum ab.
  • Die Dreikönigskirche auf der Sachsenhäuser Seite über dem Main bringt mit fünf Glocken den südlichen Kontrapunkt.
  • Den Höhepunkt bildet der Kaiserdom St. Bartholomäus mit seinen neun Glocken – allen voran die mächtige Gloriosa, über 2,5 Meter hoch und breit, und mit fast 12 Tonnen die schwerste Glocke Frankfurts.

Wenn sie alle gemeinsam erklingen, entsteht ein Klangbild, das nicht nur durch die Gassen, sondern tief ins Herz dringt.

Termine – Wann Frankfurt klingt

Das Große Stadtgeläut findet viermal im Jahr statt und orientiert sich an den kirchlichen Hochfesten:

  • Samstag vor dem 1. Advent (16:30–17:00 Uhr)
  • Heiligabend (17:00–17:30 Uhr)
  • Karsamstag (16:30–17:00 Uhr)
  • Samstag vor Pfingsten (16:30–17:00 Uhr)

Wer das Stadtgeläut erleben will, sollte früh da sein. Der Römerberg, der Paulsplatz oder der Bereich rund um den Domplatz bieten die beste Akustik. Und mein Tipp: Handy aus, Augen zu, Ohren auf – der Klang erzählt selbst genug.

Mein Geheimtipp für Besucher

Ich empfehle jedem Gast meiner Stadtführungen durch Frankfurt, das Große Stadtgeläut einmal von der Alten Brücke aus zu hören. Der Blick auf die Skyline, das Spiegelbild des Doms im Main, und darüber die Klangwellen der Glocken – das ist Frankfurt pur. Zwischen Himmel und Hochhaus, Geschichte und Gegenwart.

Wer sich für Frankfurt Sehenswürdigkeiten interessiert, sollte sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen. Denn das Stadtgeläut ist keine bloße Tradition – es ist ein Stück Seele dieser Stadt.

Euer Dimitri
Stadtführer in Frankfurt

Ein Besuch im Struwwelpeter-Museum

Frankfurts literarischer Zeitreise-Klassiker

Wenn man an Frankfurt denkt, kommen einem zuerst die Skyline, Apfelwein-Kneipen und historische Altstadtgassen in den Sinn. Doch mitten in der Stadt wartet ein ganz besonderer Schatz auf Besucher – das Struwwelpeter-Museum. Und bevor wir uns den kuriosen Illustrationen und Geschichten widmen, lohnt ein Blick auf den Mann hinter dem Kinderbuch: Heinrich Hoffmann.

Hoffmann, selbst Frankfurter, war nicht einfach nur ein Arzt, der Bücher schrieb. Er wollte ursprünglich ein Geburtstagsgeschenk für seinen dreijährigen Sohn gestalten – etwas, das nicht nur unterhält, sondern auch belehrt. 1845 entstand so „Der Struwwelpeter“, eine Sammlung von Geschichten über ungezogene Kinder, die ihre Streiche auf skurrile und manchmal drastische Weise büßen. Hinter dem Humor steckt ein ernstes pädagogisches Anliegen: Hoffmann wollte Kindern auf unterhaltsame Weise zeigen, was passieren kann, wenn man sich nicht benimmt.

Das Buch hat über die Jahre längst Kultstatus erreicht. Und gerade für Frankfurt ist es etwas ganz Besonderes, schließlich wurde es hier geboren – in den Straßen, in denen Hoffmann selbst lebte und arbeitete. Wer durch das Struwwelpeter-Museum geht, spürt sofort diese Verbindung. Man steht vor originalen Illustrationen, sieht frühe Druckversionen und entdeckt kleine Anekdoten aus Hoffmanns Leben. Im Museumsshop sind die Werke Hoffmanns in unzählige Sprachen übersetzt erhältlich – wirklich beeindruckend!

Das Museum ist klein, aber gerade das macht seinen Charme aus. Man kann sich gemütlich Zeit nehmen, durch die Räume schlendern und immer wieder Neues entdecken – sei es eine alte Erstausgabe oder ein witziges Detail in Hoffmanns Zeichnungen. Besonders für Familien ist es ein Highlight: Kinder staunen, Erwachsene schmunzeln und alle zusammen tauchen ein in die skurrile Welt des Struwwelpeter.

Für mich ist das Struwwelpeter-Museum ein Ort, an dem Geschichte lebendig wird – ein Stück Frankfurt, das man nicht verpassen sollte. Es erzählt von einem Mann, der seine Stadt liebte und von Geschichten, die bis heute ihre Wirkung nicht verloren haben. Wer also das nächste Mal durch Frankfurt schlendert, sollte einen Abstecher hierher machen – und sich vielleicht selbst an den Regeln der kleinen Schreckgeschichten orientieren… oder einfach herzhaft lachen.

Wenn ihr Lust bekommen habt, selbst einmal in die Welt des zerzausten Struwwelpeter einzutauchen, schaut doch vorbei – es lohnt sich wirklich. Und falls ihr dabei nicht nur das Museum, sondern auch die vielen anderen spannenden Ecken Frankfurts entdecken wollt, begleite ich euch gern persönlich. Auf meiner Seite Erlebnis-Frankfurt erfährst Du mehr über Frankfurt, meine Touren und die Buchungsmöglichkeiten.
Ich freu mich auf Dich!

Euer Dimitri
Stadtführer in Frankfurt

Ein Abstecher in die Saalgasse

Frankfurts vergessener Nachbar der Neuen Altstadt

„Hier geht’s doch gar nicht in die Neue Altstadt!“ – Diesen Satz höre ich bei meinen Führungen regelmäßig, wenn ich nach dem Historischen Museum und der Alten Nikolaikirche nicht geradeaus, sondern rechts in die Saalgasse abbiege. Und jedes Mal muss ich ein bisschen schmunzeln. Denn ja, streng genommen führt der Weg nicht in die Neue Altstadt, aber er führt zu einem wesentlich älteren, aber nicht weniger spannenden und zugleich meist übersehenen Projekt – der Saalgasse.

Nach dem Krieg war Frankfurt eine Stadt der Baustellen und Brüche. Wer sich alte Fotos anschaut, erkennt kaum noch das mittelalterliche Gassengewirr, das einst den Römerberg umgab. Zwischen Schutt und Neubeginn entschied man sich in den 1950ern und 60ern für den funktionalen Wiederaufbau – Hauptsache, die Menschen hatten wieder ein Dach über dem Kopf. An den Charme der alten Altstadt wagte man sich erst Jahrzehnte später wieder heran.

Erst Ende der 1970er Jahre kam Bewegung in die Sache. Der große Parkplatz am Römerberg, der viele Jahre lang einfach nur eine graue Fläche mitten im Herzen der Stadt war, sollte verschwinden. Ein Architekturwettbewerb wurde ausgeschrieben, bei dem sich Architekt:innen mit ihrem Konzept zur Rekonstruktion der Fachwerk-Häuserzeile am östlichen Römerberg bewerben konnten: Wer kann den Geist der alten Fachwerkzeile am besten wiederbeleben?

Die Stadt bekam so viele gute Entwürfe, dass sie kurzerhand beschloss, auch die Saalgasse als Experimentierfeld freizugeben. Zwölf Architektinnen und Architekten erhielten den Auftrag, hier 14 Häuser zu entwerfen – jedes auf einer winzigen Parzelle von nur rund 7,5 Metern Breite, 10 Metern Tiefe und vier Stockwerken Höhe. Die Vorgabe: Altstadtdimensionen, aber mit moderner Sprache. Das Ergebnis: eine postmoderne Wundertüte aus Farben, Formen und Ideen, die bis heute erstaunt und begeistert.

Und so gleicht kein Haus in der Saalgasse dem anderen.

Heinrici & Geiger – (Saalgasse 28) Die beiden waren schon für den „Schwarzen Stern“ zuständig, das historische Eckgebäude, das viele nur vom Vorbeigehen kennen. Kein Wunder also, dass sie auch die angrenzenden Eckhäuser gestalteten. Ihre Häuser wirken vertraut und gleichzeitig selbstbewusst, ein eleganter Übergang von Alt zu Neu.

Fischer, Glaser & Kretschmer – (Saalgasse 26) Hier begegnet einem ein wahres Farb- und Materialfeuerwerk. Asymmetrische Erker brechen die sonst sehr gleichförmige Rasterfassade auf und verleihen dem Haus Lebendigkeit. Ich erzähle meinen Gästen gern, dass man hier fast das Gefühl hat, das Gebäude „atmet“.

Jourdan, Müller & Albrecht – (Saalgasse 24) Die Form ist klar, schlicht und funktional, fast schon minimalistischer Natur. Die dekorlosen Wandflächen und die geradlinige Anordnung erinnern an neue Sachlichkeit, Art Déco und Expressionismus – ein ruhiger Gegenpol zu den farbenfrohen Nachbarn.

Adolfo Natalini – (Saalgasse 22) An der östlichen Ecke steht ein Wohnhaus mit einer monumentalen Tonnensäule. Sie markiert nicht nur die Sonderstellung des Eckhauses, sondern signalisiert den Übergang zur Schirn – fast wie ein stiller Türsteher zwischen zwei städtischen Welten.

Charles Moore – (Saalgasse 18) Wer genauer hinsieht, entdeckt in den Sprossenfenstern feine Jugendstil-Anklänge. Moore ging bewusst eigene Wege, auch wenn die städtebaulichen Vorgaben streng gewesen wären – das Haus wirkt dadurch verspielt, fast wie ein kleines Kunstwerk zwischen den strengeren Nachbarn.

Berghof, Landes & Rang – (Hausnummer 16) Dieses Haus ist ein echter Augenschmaus: Eine Allegorie eines kopfüber stehenden Fachwerkhauses, verziert mit sternenförmigen Öffnungen. Es strahlt eine verspielte Leichtigkeit aus, die in der sonst kompakten Gasse sofort ins Auge fällt.

Unglaub & Horvath – (Saalgasse 14) Glatt abgeschnittener Giebel, breiter Eingang im Erdgeschoss – eine subtile Hommage an die Altstadtbauten, die hier im Krieg zerstört wurden. Man spürt die Geschichte, ohne dass sie einem ins Gesicht springt.

Eisele & Fritz – (Saalgasse 12) Die Fachwerkskonstruktionen der Vergangenheit werden hier in modernen Materialien interpretiert: Viergeschossiger Wintergarten, ein filigraner Stahlmast als Giebel – eine clevere Paraphrase der alten Bauten, die gleichzeitig erstaunlich modern wirkt.

Christoph Mäckler – (Saalgasse 10) Eine torartige Eingangssituation und große Schaufenster laden den Passanten ein, hineinzuschauen. So wird die Ladenzone des Erdgeschosses bewusst in Szene gesetzt – eine Reminiszenz an die früheren Scharnhäuser.

Von Gerkan, Marg & Partner – (Saalgasse 8) Ihr Haus ist bewusst zurückhaltend gestaltet. Die reduzierte Materialwahl und ausgewogene Farbgebung erzeugen eine ruhige, harmonische Wirkung – ein optisches Durchatmen mitten in der lebhaften Gasse.

Herms – (Saalgasse 6) Hier trifft Gotik auf italienischen Manierismus und barocke Kirchenarchitektur. Das Haus wirkt wie ein Sammelsurium unterschiedlichster Stilreferenzen, und gerade das macht seinen Charme aus.

Bangert, Jansen, Scholz & Schultes – (Römerberg 8-10) Das dreiteilige Eckhaus bildet den Abschluss der Saalgasse. Größe, Maßstab und Farbigkeit spielen auf den Kopfbau des langen Galerietrakts der Schirn an – ein eleganter Schlusspunkt, der die Gasse nach außen abrundet.

Wer die Saalgasse entlangspaziert, entdeckt ein Stück Frankfurt, das sich seiner selbst bewusst ist: nicht nostalgisch, aber auch nicht kaltmodern. Sie ist ein architektonisches Gespräch zwischen Vergangenheit und Zukunft – und genau deshalb liebe ich es, meine Gäste hierher zu führen.

Wenn man dann am Ende wieder Richtung Mainufer blickt, wo sich die 60er-Jahre-Bauten mit ihren klaren Linien aneinanderreihen, merkt man, wie klug diese Gasse eigentlich gedacht war: Sie verbindet Epochen, Stile und Ideen – auf wenigen Metern.

Und jedes Mal, wenn jemand am Ende sagt: „Jetzt verstehe ich, warum Sie hier abbiegen, Dimitri“, weiß ich, dass es sich gelohnt hat.

Euer Dimitri
Stadtführer in Frankfurt

Der Gerechtigkeitsbrunnen – Wo Frankfurt sein Herz zeigt

Es gibt Orte, die haben etwas Magisches – und der Römerberg ist ganz sicher einer davon. Kaum ein Platz in Frankfurt trägt so viel Geschichte und Leben in sich. Gesäumt von mehr oder weniger historischen Fachwerkhäusern, liegt er wie eine kleine Bühne zwischen dem grünen, erholsamen Mainufer und der geschäftigen, modernen Innenstadt. Hier schlägt das Herz der Stadt – laut, lebendig, manchmal chaotisch, aber immer charmant.

Und mitten auf diesem Platz, als hätte sie alles im Blick, steht sie: Justitia, die Dame mit der Waage, auf dem Gerechtigkeitsbrunnen.

Der Brunnen selbst stammt aus dem Jahr 1543 – damals war Frankfurt eine freie Reichsstadt, und der Römerberg der wichtigste Platz für Märkte, Feste und natürlich die Krönungen der Kaiser. Ja, richtig gehört: 10 Kaiser wurden hier auf dem Römerberg gefeiert. Und bei einigen dieser Feierlichkeiten floss tatsächlich Wein aus dem Brunnen! Eine Dame aus Hamburg sagte bei einer Stadtführung mal zu mir: „Na, das nenne ich gelebte Gerechtigkeit!“ Bis die Frankfurter im Jahr 1612 in ihrer Begeisterung den Brunnen so heftig umdrängten, dass eine Sanierung notwendig wurde.

Die Figur der Justitia steht übrigens normalerweise mit verbundenen Augen – ein Symbol dafür, dass Gerechtigkeit für alle gleich sein sollte. Aber das Lustige ist: Auf dem Frankfurter Brunnen hat sie keine Augenbinde! Das fällt vielen gar nicht auf.
Als ich das zum ersten Mal erwähnte, fragte mich ein Schüler aus meiner Tour ganz empört:
„Wie – sie sieht, wen sie richtet? Ist das dann nicht ungerecht?“
Ich musste lachen. Vielleicht hat er ja recht – vielleicht ist Frankfurts Gerechtigkeit einfach ein bisschen praktischer veranlagt.
Und wer weiß – vielleicht hat sie die Augen auch nur deshalb offen gelassen, weil sie früher direkt auf die Stadtkämmerei und später auf die Ratsherrensitzung blickte. Da kann man ja sicher nie genug hinschauen.

Und so steht sie da, mit Waage und Schwert, unbeirrt zwischen Touristen, Stadtführern und Straßenmusikern. Der Brunnen ist heute ein beliebter Treffpunkt, ein Ort, an dem man kurz innehält, bevor man weiterzieht – Richtung Römer, Dom oder Eiserner Steg.

Ich persönlich komme oft hierher, auch wenn ich keine Führung habe. Ich hole mir einen Kaffee, lehne mich ans Geländer und schaue einfach zu, wie die Stadt pulsiert. Frankfurt hat viele Gesichter – Banker, Künstler, Touristen, Studierende – aber hier am Gerechtigkeitsbrunnen treffen sie sich alle, ganz ohne Augenbinde.

Und im Sommer, am frühen Abend aucht die Sonne den Römerberg in ein goldenes Licht – und die Justitia sieht fast so aus, als würde sie lächeln.

Euer Dimitri
Stadtführer in Frankfurt

Der Eiserne Steg – Frankfurts eiserne Verbindung mit griechischem Flair

Wenn man durch Frankfurt spaziert, bleibt der Eiserne Steg sofort im Blick – und oft auch im Herzen. Er ist nicht die größte oder älteste Brücke der Stadt, aber er erzählt eine Geschichte, die man sonst nur in alten Chroniken findet: von Bürgerengagement, Main-Leben und einem kleinen Stück Griechenland mitten in der Stadt.

Der Bau der Brücke 1868 war allerdings alles andere als einfach. Die Idee, eine feste Verbindung von Sachsenhausen in die Altstadt zu schaffen, stieß in den Jahrhunderten davor auf Skepsis. Frankfurt war damals noch eine freie Stadt im Deutschen Bund – ein Kaiser hatte hier kein Mitspracherecht. Zuständig war das Stadtparlament und der Magistrat, und die zögerten lange.

Überliefert ist, dass erste Argumente, Obst und Gemüse aus Sachsenhausen über die Brücke transportieren zu können, auf taube Ohren stießen. Erst das „schwere Argument“ Bier soll schließlich überzeugt haben: Wer den Hopfen- und Malztransport erwähnte, bekam die Genehmigung. Ob das wirklich so war, lässt sich nicht belegen – aber es gehört zu den charmanten Geschichten, die sich um den Steg ranken.

Mit Genehmigung in der Tasche gründeten die Bürger eine Stiftung, investierten eigenes Geld und bauten die eiserne Brücke (ca. 170 m lang – andere Fakten über Frankfurt), stabil und funktional, ganz ohne Prunk. Um die Baukosten zu decken, wurde zunächst ein Brückenzoll erhoben. Schon nach 18 Jahren war die Investition refinanziert – und die Frankfurter schenkten die Brücke der Stadt. Ein echtes Zeichen von Gemeinschaftssinn, der bis heute spürbar ist.

Natürlich blieb der Steg nicht unversehrt: Er wurde erweitert, angehoben, im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1946 wieder aufgebaut. Heute ist er Treffpunkt, Aussichtspunkt und Fotomotiv in Einem. Ob man den Blick auf die Skyline genießt oder einfach den Main entlang schlendert – hier spürt man das Herz der Stadt.

Homer über dem Main

Ein besonderes Detail entdecken viele Besucher erst, wenn sie nach oben schauen: alt-griechische Schrift auf dem Querträger.

„ΠΛΕΩΝ ΕΠΙ ΟΙΝΟΠΑ ΠΟΝΤΟΝ ΕΠ’ ΑΛΛΟΘΡΟΟΥΣ ΑΝΘΡΩΠΟΥΣ.“

Es stammt aus Homers Odyssee und heißt:
„Segelnd auf dem weinroten Meer zu Menschen anderer Sprachen.“

Seit 1999 schmückt dieses Zitat den Steg – wie eine kleine philosophische Brücke über die Mainufer hinweg. Frankfurt ist schließlich eine Stadt der Begegnungen, und jeden Tag laufen hier Menschen aus aller Welt über den Eiserner Steg. Homer hätte seine Freude gehabt: Wer über die Brücke geht, erlebt ein kleines Stück Weltoffenheit mitten in der Stadt.

Euer Dimitri
Stadtführer in Frankfurt

O’zapft is – auch in Frankfurt!

Wenn ich Gäste durch Frankfurt führe, erwarten viele vor allem die Bankenstadt, die Skyline oder Goethe. Doch was viele überrascht: Auch bei uns kann man richtig feiern! Das Frankfurter Oktoberfest ist für mich jedes Jahr ein Highlight – und ich erzähle meinen Gruppen immer gerne davon.

Schon beim Ankommen merkt man: Hier steckt Herzblut drin. Das Festzelt ist liebevoll geschmückt, die Bänke und Tische laden zum Zusammensitzen ein, und die Musik bringt sofort gute Laune. Dazu gibt’s natürlich die Klassiker – von Hendl und Brezn bis zur frisch gezapften Maß. Alles läuft reibungslos, die Organisation ist wirklich top.

Am schönsten finde ich aber die Atmosphäre. Die Gäste sind fröhlich, entspannt und offen. Da sitzt die Frankfurterin neben dem Besucher aus Bayern, die Kollegengruppe neben der Familie – und ehe man sich’s versieht, stößt man zusammen an, singt mit und lacht miteinander. Dieses unkomplizierte Miteinander ist für mich der wahre Geist des Oktoberfests.

Ich finde es großartig, dass wir so etwas in Frankfurt haben. Es zeigt, dass unsere Stadt nicht nur Arbeit und Business kann, sondern auch Freude, Gemeinschaft und Tradition. Und ganz ehrlich: Gerade hier, wo so viele Kulturen und Menschen zusammenkommen, passt ein Fest, das alle an einen Tisch bringt, einfach wunderbar.

Mein Tipp: Wer in den nächsten Wochen in Frankfurt ist, sollte unbedingt vorbeischauen. Ob im Dirndl, in der Lederhose oder einfach so – Hauptsache, Ihr bringt gute Laune mit. Denn die steckt hier alle an!

Wenn Du Lust bekommen hast, die Stadt einmal mit all ihren spannenden Facetten – von der Skyline bis zum Oktoberfest – selbst zu entdecken, dann schau gerne auf meiner Stadtführer-Seite vorbei. Hier gibt es weiter Informationen zu Frankfurt und den Buchungsmöglichkeiten.

Euer Dimitri
Stadtführer in Frankfurt

Eine neue Kulturmeile entsteht

Erste Schritte und Planungsphase: Wie alles anfing

Schon seit Jahren steht fest: Die Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz (Oper + Schauspiel) ist nicht mehr in einem Zustand, der den Anforderungen der Gegenwart genügt. Die technische Ausstattung, die Probenräume, die Bühneninfrastruktur – alles wurde geprüft, manches gewartet, vieles aber schlicht überholt. In einer Machbarkeitsstudie von 2017 wurde deutlich, dass allein die Sanierung enorme Summen verschlingen würde – teilweise kaum weniger als ein Neubau.

Immer spannend fand ich, dass sich in dieser Phase nicht nur Architekt:innen und Politiker:innen den Kopf zerbrachen, sondern auch viele Menschen, die einfach jahrelang ins Theater gehen, gucken, hoffen. So gab es von Juni bis September 2020 eine Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum (DAM) Frankfurt, die sich genau mit diesem Thema beschäftigt hat: „Zur Zukunft der Städtischen Bühnen: Standorte und Stadträume“.

Untersuchungen wurden angestellt: verschiedene Varianten, Kosten, Ökologie, Nutzerfreundlichkeit, städtebauliche Einbindung. Da gab’s die Idee der “Spiegelvariante”, eines Neubaus der Doppelanlage am alten Ort, des Schauspielhauses irgendwo neu und Oper am Willy-Brandt-Platz, oder eben – die sich mittlerweile durchgesetzt habende – Variante der “Kulturmeile”.

Die Variante „Kulturmeile“: Was heißt das konkret?

“Kulturmeile” – ein Wort, das Hoffnung macht und schon ein bisschen Vision enthält.

Kurz gefasst: Die Oper soll neu gebaut werden am Willy-Brandt-Platz, der Schauspielhaus wird neu errichtet an der Neuen Mainzer Straße 47-51 (das aktuelle Grundstück der Frankfurter Sparkasse) und beide Häuser werden Teil einer städtischen Achse – einer Kulturzone, die sich vom Museumsufer über die Neue Oper bis zum Neuen Schauspiel und der Alte Oper erstreckt. Zwischen Grünanlagen, entlang der Wallanlagen, in Sichtbeziehung zu Museen – eine Art verlängerter Kulturraum, nicht nur zwei einzelne Bauprojekte.

Ein schönes Bild: Stell dir vor, du gehst vom Museumsufer Richtung Alte Oper, weiter durch die Wallanlagen, erreichst die neue Oper am Willy-Brandt-Platz, und gleich ums Eck das Schauspielhaus und weitere Museen – Kultur aneinander gereiht, ein ganzer Spaziergang, der Kultur durch die Stadt sichtbar macht. Kein abseits stehendes Theatergebäude, sondern Teil der urbanen Identität.

Finanzierung und Kosten: Das große Rechnen

Natürlich wirft ein Projekt dieser Größenordnung viele Fragen auf, vor allem rund um die Kosten und die Finanzierung. Aktuell liegen die Gesamtkosten für Oper und Schauspielhaus bei etwa 1,27 bis 1,3 Milliarden Euro. Die Stadt plant, das Grundstück an der Neuen Mainzer Straße im Erbbaurecht zu übernehmen, was einmalig rund 210 Millionen Euro kostet, dazu kommen jährliche Pachtzahlungen von etwa 1,99 Millionen Euro über einen sehr langen Zeitraum – in diesem Fall 199 Jahre. Zusätzlich musste sorgfältig geprüft werden, wie teuer Zwischenlösungen sind: Wo spielt das Schauspiel, während das neue Haus noch im Bau ist, und wohin zieht die Oper vorübergehend? Diese Überlegungen können die Kosten weiter in die Höhe treiben.

Besonders gefallen hat mir dabei, dass man alles daransetzt, den laufenden Betrieb so wenig wie möglich zu stören. Geplant ist, dass zunächst das Schauspielhaus gebaut wird, die Oper dann vorübergehend dorthin zieht, bis ihr neues Haus fertig ist, sodass Stückbetrieb, Proben und Vorstellungen möglichst reibungslos weiterlaufen können.

Politische Debatten und Gegenstimmen

Natürlich war nicht alles ein einfaches „Ja, machen wir sofort“. Es gab – und gibt – durchaus berechtigte Kritik. So weist etwa die Initiative Zukunft Städtische Bühnen auf mögliche versteckte Kosten, auf die CO₂-Bilanz und auf Einsparpotenziale durch eine Sanierung statt eines kompletten Neubaus hin.

Auch der Eingriff in die Wallanlagen sorgt für Diskussionen, ebenso wie die Frage, ob denkmalgeschützte Teile – etwa das berühmte Wolkenfoyer – überhaupt erhalten werden können. Nach aktuellem Stand wäre das, so die Stadt, nur in sehr geringem Umfang oder gar nicht möglich.

Und schließlich steht auch die Finanzierung im Fokus: Wer übernimmt welche Anteile, wie viel tragen Bund und Land bei, und wie stark wird der Frankfurter Haushalt dadurch belastet? Klar ist jedenfalls, dass die Stadt dieses Projekt allein kaum stemmen kann.

Beschlüsse & aktueller Stand

Um Klarheit darüber zu bekommen, wo wir aktuell stehen:
Im Dezember 2023 haben die Stadtverordneten beschlossen, dass die Oper am Willy‑Brandt‑Platz verbleibt, während das Schauspielhaus einen neuen Standort an der Neuen Mainzer Straße erhält. Damit ist die Kulturmeile offiziell beschlossen. Begleitend gibt es eine Rahmenvereinbarung mit Helaba und der Frankfurter Sparkasse, die das Grundstück im Erbbaurecht an die Stadt übergeben, sodass die Planungen, Architekturwettbewerbe und weitere Schritte nun umgesetzt werden können.

Zeitlich wird geschätzt, dass das Schauspielhaus bis 2031 fertiggestellt sein könnte, die Oper voraussichtlich bis 2037.

Die neue Kulturmeile: Was sie sein kann – und was nicht

Ich glaube, dass diese Kulturmeile weit mehr ist als nur der Zusammenschluss von Oper und Schauspielhaus. Sie ist eine große Chance – für urbanes Leben, für Begegnung und für neue Stadträume. Man kann sich vorstellen, wie entlang dieser Achse Grünflächen, Spazierwege und klare Sichtachsen entstehen, die der Stadt Raum zum Atmen geben und Kultur zu einem selbstverständlichen Teil des Alltags machen. Menschen kommen nicht nur, um eine Vorstellung zu sehen, sondern treffen sich schon vorher oder bleiben danach noch, nutzen Cafés und Plätze, genießen die Atmosphäre. Die Gebäude sollen sich öffnen – auch außerhalb der Spielzeiten – und Raum bieten für Begegnungen, Stadtteilkultur oder kleinere Veranstaltungen. Ein neues Schauspielhaus bedeutet zudem modernere Ausstattung, bessere Arbeitsbedingungen und flexiblere Räume – die Chance also, Theater neu zu denken.

Natürlich birgt ein solches Projekt auch Risiken. Baukosten könnten explodieren, wie es bei Großprojekten oft der Fall ist. Wenn die Übergangslösungen nicht funktionieren, leidet womöglich der laufende Spielbetrieb. Und nicht zuletzt besteht die Gefahr, dass der versprochene Mehrwert für die Stadtgesellschaft zu gering bleibt – besonders für jene, die nicht ohnehin regelmäßig ins Theater gehen. Dann wäre die Kulturmeile am Ende ein Ort für wenige statt für viele, elitär statt offen und einladend.

Meine persönliche Einschätzung

Ich finde, es ist ein mutiger Schritt, den Frankfurt da geht. Oft genug sieht man Projekte, bei denen viel geredet, aber wenig umgesetzt wird. Hier sieht man, wie aus vielfältigen Prüfungen, Debatten, Varianten – etwas Konkretes entsteht. Ich habe Respekt vor der Geduld und dem Engagement von Menschen, die sich dafür einsetzen, dass Kultur nicht irgendwo versteckt bleibt, sondern Teil der Stadt wird – sichtbar, erlebbar und vor allem nahbar für alle.

Euer Dimitri
Stadtführer in Frankfurt

Frankfurter Museumsuferfest – Kultur und Kulinarik am Main

Wenn Ende August der Main in Frankfurt zum Zentrum der Kultur, Kulinarik und puren Lebensfreude wird, weiß ich: Das Museumsuferfest steht vor der Tür. Für mich ist es jedes Jahr ein kleines Highlight – ein Wochenende, das die Stadt in ein buntes, lebendiges Miteinander verwandelt.

Eines meiner liebsten Highlights sind die Drachenbootrennen. Schon Monate vorher bereiten sich die Vereine auf dieses Spektakel vor, trainieren ihre Teams und feilen an der perfekten Technik. Am Ufer zu stehen, die Trommeln zu hören, die Boote im Takt über das Wasser gleiten zu sehen – das ist Adrenalin pur und macht einfach Spaß, egal, ob man mitfiebert oder selbst paddelt.

Die Geschichte der Drachenbootrennen ist von Mythen umwoben, im Mittelpunkt steht jedoch stets der Drache. Ursprünglich sind sie Teil des Duanwu-Festes, das am fünften Tag des fünften Mondmonats gefeiert wird. Einer der Legenden zufolge erinnert das Fest an den Dichter Qu Yuan, der sich 277 v. Chr. in den Fluss stürzte. Um seinen ertrunkenen Leichnam vor den Fischen zu schützen, ruderten die Dorfbewohner mit Trommeln und bunt geschmückten Booten hinaus – eine Tradition, die bis heute fortlebt.

Natürlich ist das Fest auch ein Eldorado für Museumsfans. Die Museen entlang des Mains öffnen bis spät in die Nacht und präsentieren zahlreiche Sonderausstellungen. Besonders praktisch ist der Museums-Button: Mit ihm kann man für kleines Geld in alle Museen eintreten – eine tolle Gelegenheit, Neues zu entdecken oder längst Vergessenes wieder aufleben zu lassen. Ich liebe es, zwischen modernen Installationen und klassischen Meisterwerken zu wechseln und dabei die besondere Atmosphäre des Ufers zu genießen.

Doch das Museumsuferfest ist nicht nur Kultur, sondern auch ein Fest der Sinne. Links und rechts am Main reihen sich internationale Stände aneinander, an denen man in friedlicher, fast familiärer Atmosphäre durch exotische Spezialitäten stöbert. Vom würzigen Curry über italienische Antipasti bis hin zu süßen Leckereien – das Essen erinnert an ein hochwertiges Streetfood-Festival und lädt ein, sich durch die kulinarische Vielfalt der Welt zu probieren.

Und dann, wenn der Abend sich langsam über Frankfurt legt, kommt für mich der magische Moment: das Abschlussfeuerwerk. Es wird von einem Frachter mitten auf dem Main gezündet und ist synchron zur Musik choreografiert. Ich bekomme jedes Mal Gänsehaut, wenn die Raketen in den Himmel steigen, die Musik erklingt und die Lichter sich auf dem Wasser spiegeln. Ein perfekter Abschluss für ein Wochenende voller Eindrücke, Lachen und Lebensfreude.

Für mich ist das Museumsuferfest mehr als ein Event – es ist ein Ort, an dem Frankfurt seine Vielfalt zeigt, an dem Kulturen zusammenkommen, und an dem man einfach die Seele baumeln lassen kann. Wer einmal dort war, kommt jedes Jahr wieder. Ich freue mich schon jetzt darauf, im nächsten Jahr wieder am Main zu stehen, die Drachenboote zu jubeln, durch die Museen zu schlendern und mich vom Feuerwerk verzaubern zu lassen.

Euer Dimitri
Stadtführer in Frankfurt